Wer liebt?

Habe mir heute mal ein paar Gedanken darüber gemacht, ob die Suche nach Liebe auch immer die Suche nach einer Partnerin bedeutet. Da die Antwort offensichtlich „Nein“ lautet, ist die Frage, wohin und aus welchen Gründen man seine Liebe noch überall verströmen kann, wenn nicht deshalb, um jemanden ins Bett zu kriegen.

Als Kind habe ich mal einen Betreuer angehimmelt. Er hat so nett gelächelt und so toll gesungen und Gitarre gespielt, und ich habe mir gewünscht, er wäre nur für mich da. Er war aber für Viele da, und das war kein Problem. Ich dachte: „Er hat eine Frau, aber er ist nicht nur bei seiner Frau. Er teilt sein Leben auch mit anderen.“ Liebe gibt es nicht nur ausschließlich zwischen zwei Menschen. Ein Mensch, der andere anlächelt und mit anderen kommuniziert, der sie zum Lachen bringt, zum Singen, Tanzen, Träumen oder Nachdenken, geht ihnen unter die Haut und verteilt sich selbst, seine guten Seiten, seine Energie und Zeit unter sie. Wenn das mal nicht Liebe ist?!

Aber auch ohne zu kommunizieren oder jedenfalls sehr viel weniger, kann man stark in die Welt hinein wirken. Als einsame Wissenschaftlerin. Als geniale Ingenieurin. Als Gärtnerin in einem Kloster. Wenn man sich voll einer Tätigkeit hingibt, in ihr aufgeht, tun sich neue Welten auf für einen selbst, und man selbst öffnet die Welt neu für die anderen.

Man kann auch nicht nur Menschen lieben. Einsame Menschen, alte Menschen vor allem, aber natürlich auch junge Menschen oder Familien, lieben Tiere. Für manche von ihnen sind Tiere ebenbürtig mit menschlichen Familienmitgliedern oder Freundinnen. Ich persönlich finde das unangemessen. Aber solchen Tierliebhaberinnen ist die Beziehung ihrem Haustier ein wichtiges Band auf dieser Welt, und das respektiere ich.

Stellen wir uns vor, ein Mensch tut etwas Konstruktives sehr intensiv und geht innerlich in der Tätigkeit auf. Aber er gewinnt nie einen anderen Menschen dazu, Bett und Tisch mit ihm zu teilen, warum auch immer. Kann dieser Mensch sein Leben voll ausschöpfen, lieben, Gott nahe sein? Ist es dazu vonnöten, der Menschheit zu nützen, Politik, Geschichte und/oder Wissenschaft zu beeinflussen? Die Liebe kennt 1000 Wege. Ich nicht.
 

1 Kommentar

Um etwas philosophische Klarheit in die Unterschiede der Liebes-Arten zu bringen, will ich hier auf einen Beitrag meines Kollegen mit dem passenden Titel "Was ist Liebe" hinweisen:

http://philosophieblog.de/schroer/was_ist_liebe

Danke für den netten Beitrag, der mich dazu veranlasst hat, mal wieder über das Thema Liebe nachzudenken.
28.11.08 @ 00:10

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