Was ist anders?

Manche Dinge hier sind lustig:

Die Badewanne, die auf einem Hausdach steht. (Wir können sie sehen, weil wir vom 7. Stock aus runtergucken.)

Die Frau, die am Steuer ihr Handy zwischen Wange und Kopftuch geklemmt hat, um zu telefonieren.

Die Boote, in denen man nicht einfach mit fremden Leuten zusammensitzt und den Nil anguckt, sondern laut Musik dazu hört und tanzt. (Es sind doch keine Ramadan-Partyboote. Die machen das immer.)

Manche Dinge verstehe ich nicht:

Ein Mann auf der Straße füllt Tonkrüge mit Wasser, die auf unterschiedlicher Höhe in einen überdimensionierten Kerzenhalter geklemmt sind.

Ich laufe Abends die Straße lang, und auf einmal erscheint eine große Menge rufender Menschen vor mir, die sich in Männer und Frauen aufteilt und zwei Schlangen bildet. Sie münden in einen ganz kleinen Laden, in dem nichts steht.

Manche machen nachdenklich:

Es gibt hier sehr viel weniger als bei uns das Konzept von Öffentlichkeit, in der man sich aufhält. Es gibt keine Parks, keine Wiesen, keine Kinderspielplätze. Um dies zu genießen, muss man in einen Club eintreten. Das kann sich hier nur die Oberschicht leisten. Ich komme nicht umhin, zu denken: Deutschland ist ein großer, exklusiver Club von hier aus gesehen.

Werbung für Potenzmittel vor der Apotheke: ein großes Plakat mit der blauen Pille drauf. Aber Händchen halten auf der Straße ist anstößig.

Und manche Dinge sind einfach wunderbar:

Unter einer Brücke, die über den Nil führt, braut ein Mann Nachts Tee in kleinen Gläsern zum Verkauf. Tagsüber steht seine Ausrüstung einfach so unbeobachtet unter der Brücke - Wasserkessel, Gläser, Tablett, Stuhl. In Ägypten wird man äußerst selten beklaut. Auch Fremde und Touristinnen nicht.

Geht man aus dem Haus, grüßen der Hausmeister und die Nachbarn freundlich und überlegen, ob sie irgendwie helfen können. Hab ich den Kleinen mal nicht auf dem Arm, befragt mich unser Bawwab, was er macht. Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen? Hier ist das möglich, denn viele Augen sind interessiert am Geschehen.

Wie schon erwähnt, Service, Service, Service:

Eine liebevolle und erfahrene Frau hütet die Kinder für 2,50 Eur in der Stunde.

Taxi fahren für 60ct pro Strecke innerhalb des Stadtteils (manch eine erlitt zurück in Deutschland einen großen Schock, nachdem sie gewohnheitsmäßig in ein Taxi gestiegen war).

Heimbring-Service vom Supermarkt (auch telefonisch, dann muss man das Haus gar nicht erst verlassen) für 50ct.

Wäsche wird um die Ecke gebügelt und ins Haus gebracht für 25ct pro Hemd/Stück.

Während Von der Leyen und Schwesig krampfhaft um die Wette überlegen, wie sie es schaffen, dass Kindergeschrei Musik in der Deutschen Ohren wird, kann Linus den gesamten Laden/Stadtteil zusammenbrüllen, und die Ägypterinnen klatschen vor Freude in die Hände und fragen entzückt: "Junge oder Mädchen? Wie alt ist er? Wie heißt er?"

Auch jetzt, Ende September, noch T-Shirt-Wetter rund um die Uhr! 

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