Tunnelfahrt
Mein Vorderrad verschlingt den Asphalt Berliner Straßen, die voller Löcher und Risse sind. Es ist kühl geworden, was mich jetzt nicht stört, da ein zackiges Tempo innere Wärme verursacht. Latente Panik, zwischen offener Fahrertür rechts und überholendem Auto links eingekeilt zu werden. Es geht leicht bergab, über mir wölbt sich ein Tunnel. Es wird warm und dunkel. Orangefarbenes Licht strahlt von oben, Motorengeräusch und Benzingestank liegen in der Luft.
Die Erinnerung an nächtliche Autofahrten mit der Familie zur Ferienzeit blitzt vor meinem inneren Auge auf. Ich habe mich auf dem Rücksitz ausgebreitet, mein Kopf auf ein Kissen gebettet, als wir durch einen Tunnel fahren. Ich blicke nach oben in orangefarbene Lichter, die zu einer leuchtenden Linie verschwimmen, während gedämpfte Motorengeräusche zu mir dringen und das Radio verstummt. Die Luft im Tunnel ist stickig, aber wärmend. Sie bildet zusammen mit dem leichten Rütteln des Autos eine gemütliche Kapsel, in der ich sanft durchs Universum gleite.
Kurz darauf stehe ich, ins helle und kalte Dasein zurückgekehrt, an einer Ampel und seufze unhörbar, mit verträumtem Blick.