Stell' dir vor - wie wäre das?
Liebe Sabine,
stell’ dir vor, wie wäre das?
Du studierst zwar, aber du kannst dich auf deine ureigenen Interessen dabei konzentrieren, denn Arbeit musst du hinterher nicht unbedingt finden: dein zukünftiger Ehemann wird alles für dich bezahlen! Dein eigenes Geld aber, was dir deine Familie vermacht, wirst du immer sicher für dich behalten - ob als alleinstehende Frau, als Ehefrau oder als geschiedene Frau.
Wie wäre das?
Du kannst, sobald du merkst, dass du eine Frau wirst, weite Blusen tragen, deine Haare mit einem hübschen Tuch bedecken, und dein soziales Umfeld achtet und ehrt dich als Frau. Du musst niemandem beweisen, wie hübsch und schlank du bist. Du bist nicht "out", nur weil du nicht halbnackt, rauchend und trinkend bis spät in die Nacht in die Diskotheken ziehst, im Gegenteil.
Wie wäre das?
Deine Familie ist präsent. Du weißt, dass du ihnen wichtig bist, und dass es darauf ankommt, wie du denkst und was du machst. Dein Bruder begleitet dich außer Haus, aus Sorge, dass dir etwas passiert. Du lebst lange mit deiner Familie zusammen. Du bist kein Einzelkind, nein, du gibst von Kindesbeinen an auf deine Geschwister und Nichten und Neffen acht und hilfst ihnen.
Wie wäre das?
Deine Freundinnen, deine Familie, sie unterstützen deine Lebensentscheidung, deine Energie darin zu investieren, ausschließlich deinen Ehemann und deine Kinder zu umsorgen und zu pflegen. Niemand fragt: "Warum arbeitest du nicht?" Es ist gut, alle respektieren es! Putzen gehört eher nicht zu deinen Aufgaben. Hat dein Mann auch nur ein bißchen Anstand und Geld, bezahlt er dir eine Putzhilfe. Möchtest du arbeiten, geht das höchstwahrscheinlich auch.
Wie wäre das?
Fünf Mal am Tag erreicht dich ein Ruf vom Gebetshaus, der dich daran erinnert, dass auf dieser Welt das Irdische nicht die ganze Wahrheit ist, sondern dass es einen barmherzigen Allah gibt, der dich sanft und sicher durch die Welt begleitet. Während dein Mann immer Freitags ins Gebetshaus gehen muss, bist du von dieser Pflicht befreit, denn deine Arbeit als Hausfrau und Mutter wird hoch geschätzt. Schon der Prophet war schließlich ein Freund starker Frauen. Du wirst für deinen Glauben nicht belächelt, du musst dich vor niemandem davor rechtfertigen, warum du an einen barmherzigen Gott glauben möchtest, nein.
Stell’ dir vor, wäre das nicht schön? In Ägypten, für Malakah, ist das heute so.
Lieber Abdurahman,
stell’ dir vor, wie wäre das?
Während du studierst, steht dir die ganze Welt offen. Du kannst dir zwar die Meinung deiner Familie anhören, es passiert aber nichts, wenn du ihr nicht folgst. Im Gegenteil. Es ist allgemein anerkannt, wenn man seiner inneren Stimme folgt; egal, ob man sich damit von seiner Familie entfernt. Du kannst dich entscheiden, alleine zu leben. Im Gegenzug musst du auch auf deine Schwester nicht mehr Acht geben als auf deine Brüder. Die kommen schon alleine klar.
Wie wäre das?
Du musst keine Angst haben, dass jemand schlecht über dich und deine Familie denkt, weil deine Schwestern oder deine Freundin Spaghettiträger zeigen oder nachts alleine ausgehen. Es ist normal, dass jede sich so kleidet, wie sie möchte oder wie es dem Wetter entspricht. Die Kleidung und das Verhalten einer Frau kann deine Ehre nicht angreifen, deine Würde nicht zerstören. Du kannst auch die Bedienung im Aldi heiraten, wenn dir ihr Aussehen, ihre Art und ihre Gedanken gefallen.
Wie wäre das?
Du triffst eine Frau, und du hast kein Geld. Ihr könnt trotzdem in einer kleinen Wohnung zusammen wohnen und zusammen studieren! Ihr müsst dafür nicht heiraten. Ihr könnt beide Geld verdienen, und euch dann eine größere Wohnung kaufen und Kinder bekommen. Es ist für sie selbstverständlich, dass sie sich auch Arbeit sucht, solange ihr keine Kinder habt. Und selbst dann wird sie bald wieder arbeiten wollen. Es lastet nicht allein auf deinen Schultern, deine Familie zu versorgen. Wenn ihr beide keinen Erfolg habt, muss nicht unbedingt die Familie einspringen. Es hilft euch auch der Staat.
Wie wäre das?
Du kannst deine Arbeit unterbrechen, wenn du ein Kind bekommst, und der Staat wird dir Geld dafür bezahlen, dass du auf dein Kind aufpasst, für es kochst, ihm die Windeln wechselst, und es in den Schlaf singst! Deine Frau sorgt für euer Einkommen. Gut, es würde ein bißchen Kritik geben. Aber du hast die Wahl, möglich ist das durchaus.
Wie wäre das?
Selbst wenn du sehr gläubig wärst, müsstest du nicht einen Tag lang auf das Essen tagsüber verzichten. Du müsstest niemals im Jahr Durst leiden für Gott. Du würdest Gott auf eine andere Weise nahe kommen, du könntest beten, wann und wo du möchtest. Nicht ein einziges Mal müsstest du dich für Gott niederwerfen. Du könntest Schweinefleisch essen und Alkohol trinken, und trotzdem als sehr gläubig gelten. Du könntest eine Partei wählen, die Ziele deiner Religion politisch umsetzen will. Und wenn die Mehrheit in deinem Land sie wählt, wird sie auch regieren.
Stell’ dir vor, wäre das nicht schön? In Deutschland, für Thomas, ist das heute so.
1 Kommentar
Kommentar von: Radwa [Besucher]
WOW! Dieser Vergleich finde ich PRIMA! Ich musste so vieles selber Tag für Tag in Deutschland herausfinden..manchmal shockiert war ich! Wäre ja schön, wenn ich diesen Artikel früher gefunden habe..thumbs up!
19.08.11 @ 02:50