Nein zu "ProReli"

In Berlin gibt es einen Volksentscheid: soll das bisherige System an Berliner Schulen bestehen bleiben? Dann gehen weiterhin alle Schülerinnen in den Ethik-Unterricht und werden dort benotet. Ca. 20% besuchen zusätzlich noch vom Staat geförderten Religionsunterricht, genauso viel wie vor Einführung des Ethik-Unterrichtes.

Oder aber das System wird geändert, und die Schülerinnen müssen sich zwischen Ethik und Religion entscheiden und werden getrennt unterrichtet und benotet. Das ist die "ProReli"-Variante.

Ich bin eine Christin, ich habe sogar dafür gestimmt, den Volksentscheid herbeizuführen. Allerdings aus naiven Gründen: die Liste lag in meiner Kirche aus, der Pfarrer und sogar die muslimische Partneringemeinde sind dafür, das Ganze heißt "für die Religion", was gibt es da lang zu überlegen? Das bereue ich inzwischen. Diese implizite Darstellung, wem Religion wichtig sei, der solle der Initiative zustimmen, ärgert mich.

Gehen Sie am 27.04. wählen oder beantragen Sie Briefwahl, und stimmen Sie gegen "ProReli". Da stimmen Sie nicht gegen Religion.

Meine Argumente fürs NEIN:

- An den Berliner Schulen herrscht ein großer Ausländerinnen-Anteil. Gemeinsamer Unterricht, zumal er menschliche und gesellschaftliche Werte betrifft, ist sehr wertvoll und sollte stattfinden, und zwar so viel wie möglich. ProReli bedeutet Trennung.

- Da der Werte- und Religionsunterricht so wertvoll ist, sollten die Schülerinnen auch weiterhin die Gelegenheit erhalten, beides zu besuchen. ProReli bedeutet Entscheidungszwang.

- ProReli bedeutet, dass der Einfluss der religiösen Lobby auf die Gesellschaft stabilisiert wird. Wenn die Kirchen die Kinder nicht mehr über den Konfirmations- und Firmungsunterricht erreichen, müssen sie sich auf andere Weise attraktiv für diese Zielgruppe machen als mit Pflichtunterricht für Religion. Zum Beispiel durch umwerfend intelligenten und offenen freiwilligen Religionsunterricht. In Berlin jedenfalls stellt das Fach Ethik hier offenbar keine Konkurrenz dar.

 

 

P.S.: Es kursiert das Gerücht, Abstimmung mit den Füßen helfe der Ablehnung mehr als eine Nein-Stimme. Dies ist falsch.

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