Nähe zu Land und Leuten und: Besuch

Manchmal bin ich traurig, weil ich eine große Entfernung fühle zu mir und den Bewohnerinnen von Kairo. Es ist Tatsache, dass ich hier, weil ich Ausländerin bin, von den meisten Menschen auf der Straße angeguckt werde, auch angestarrt, und oft angesprochen. Das kann sehr nett sein, z.B. wenn die Leute Linus ansprechen. Das mag er total gern. Manchmal geben die Leute ihm einen Kuss. Ob das Glück bringen soll? Oft sind nur Männer auf der Straße, und ich würde am Liebsten unsichtbar sein. Und wenn ich mal weiter weg parken muss, in Imbaba zum Beispiel, ein heruntergekommenes Viertel, dann bin ich eine Attraktion, und ich fühle mich sehr fremd. Ich kann mich mit niemandem unterhalten; es ist mir alles fremd: die Straßen, die Geschäfte, die Menschen. Natürlich ist es auch exotisch: die Stände mit Brot und Süßkartoffel, die Cafés mit shisharauchenden und Tee trinkenden Männern darin, die Eselskarren, die schwarz verhüllten Frauen, die neugierigen Kinder.

Schon mehr Kontakt bekommt man mit den so genannten "public egyptians", die einen z.B. im Fishgarden, einem öffentlichen Park, umschwirren. Wenn man gerne reden mag, über dies und jenes, und sich Komplimente gern anhört, wird man sich wohl fühlen. Aber mit schlafendem Kind im Buggy sind die lärmenden Jugendlichen, die einen verfolgen, eher ärgerlich.

Und dann sind da noch die gebildeten, sehr freundlichen und zuvorkommenden Ägypterinnen, die ich im Club kennengelernt habe sowie die ägyptischen Ehemänner mit deutschen Frauen, die ich aus der Krabbelgruppe kenne. Mit ihnen kann ich über alles philosophieren und merkt nur ganz leicht, dass sie einen anderen Hintergrund haben als ich. Sie distanzieren sich vom anderen, armen, traditionellen Ägypten. Ob ich einmal ins amerikanische Zentrum in Maadi komme, wo sich angeblich vom Land angenervte Amerikanerinnen gegenseitig die Fingernägel maniküren, wo aber auch ein Besuch einer traditionellen ägyptischen Familie angeboten wird?

Wir haben endlich mehr Sehenswürdigkeiten besucht. Anlass war Besuch von Stephans Trauzeugen mit Familie. Markus, Sandra und Julius (1,5Jahre) Den Khan el Khalili Basar mit jeder Menge Nippes, Zitadelle mit Mohammad-Ali-Moschee, das koptische Kairo mit koptischen Museum, schönem Kunsthandwerk und hängender Kirche. In der Moschee ist Linus das erste Mal gekrabbelt. Ein würdiger Ort, sich zum ersten Mal so richtig fortzubewegen.
 

Im Hof der Moschee:

Ohne Schuhe Allah auf der Spur:

 


Linus hat etwas mit Julius zu besprechen:

 


In der Moschee hat ein ägyptischer Kamerad Linus sein Spielzeug angeboten - allerliebst. Ich habe nach oben fotografiert:

Blick von der Zitadelle auf Kairo (der macht offensichtlich gute Laune):

 

Und das war heute. Linus zieht einen ägyptischen Nikolaus am Bart.



 

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