Mutterglück

Wenn ich dich ansehe, mein Kind,                     
in diesen ersten Tagen des Kennenlernens,
empfinde ich so tief
wie es irgend möglich ist.

Das Gefühl, dich zu lieben
Geht durch Mark und Bein.

Das Gefühl, dich beschützen zu wollen
Durchzieht mein ganzes Sein.

Das Glück, deinen Atem zu spüren und deinen Duft einzuatmen,
war nie zuvor da, schnürt mir die Kehle zu und lässt mich erschüttern.

Wenn du an meiner Brust trinkst, hastig,
schlürfend, schnaubend, schmatzend, dich verschluckend,

und du zu mir hoch schaust, mit deinen riesengroßen blauen Augen,
beide Fäustchen geballt an deinen Wangen liegend,

bleibt kein Zweifel daran:
die brutale Geburt war jede Sekunde wert, denn sie schenkt uns Jahre mit dir.
 
Kein Taschentuch vermag meinen Tränenfluss zu trocknen.
Ich weine,

um unser unfassbares Glück mit dir besser ertragen zu können,
um die Grausamkeit von künstlich erzeugten Presswehen und dem Bauchaufschlitzen zu verarbeiten,
um mein altes Ich zu verabschieden, das noch nicht mit dir verbunden war,
weil ich dich irgendwann wieder gehen lassen muss.

Gewaltvoll werde ich zur Mutter.
 

2 Kommentare

Kommentar von: tanja [Besucher]
ich weine bei diesen zeilen- habe ich doch (fast) das gleiche gespürt. danke.
27.03.10 @ 23:38
Kommentar von: Chloé [Mitglied] E-Mail
*seufz* - so war das wohl "damals"... zum Glück lässt das ganze Gefühlswirrwarr wieder nach ;) Glückwunsch dir zum Sonnenschein und alles Gute!
28.03.10 @ 11:04

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