Schweben wie von Sinnen

Es gibt Sinneszustände, die man nur erlebt, wenn man sie aktiv aufsucht. Dazu gehört zum Beispiel die Sonne auf dem nackten Bauch oder Blindheit in einem Dunkelrestaurant. Oder zu erleben, wie anspruchslos Muskeln, Sehnen, Bänder und Knochen werden, wenn man sie auf sehr salzhaltiges Wasser legt. Bestimmte Wellnessoasen bieten das sog. Floaten an.

Also, gesagt, getan, zum Lohn für vier Jahre Beziehung schweben wir drei in körpertemperiertem Salzwasser - mein Schatz, mein Bauchzwerg und ich. In einer blau beleuchteten Pyramide, mit Chill-Out-Mucke unter Wasser. Nach einer Viertelstunde hatten wir das Brennen in den Augen im Griff, dank einem Waschlappen mit Leitungswasser, der draußen lagerte. Und dann hieß es: eine kleine Ewigkeit nichts spüren, im Sinne Paul Valérys "Gesundheit ist das Schweigen der Organe."

Neu war, dass auch nach einer halben Stunde kein Körperglied umgeschichtet oder bewegt werden wollte.  Neu war, dass kein Körperteil ein anderes tragen musste. Neu war, dass kein kalter Luftzug eine gegensteuernde Bewegung notwendig machte. Neu war, dass es nichts zu gucken gab und keine Information aus der Geräuschkulisse zu filtern war. Im Prinzip fallen einfach eine Menge Reize weg, mit denen der Mensch sonst zu kämpfen hat.

Trotzdem, zur Meditation würde ich nicht herkommen. Wenn sich das Nichts durch solche Bemühungen aus dem Sein herausschält, folgt keine Erleuchtung, sondern Leere. Dafür bin ich doch nicht auf der Welt! Darum habe ich im Schwebebad doch meine Sinne benutzt. Meinen Arm unter den Rücken meines Mannes geschoben (glitschige Haut)! Die feuchte Luft erspürt und zu meinem Sohn geschickt. Das war wohl der einzige Moment meiner Schwangerschaft, wo wir alle drei das Gleiche gemacht haben: Schweben und nichts fühlen außer sich wohl.

Der Po anderer Menschen im Revier der sechs Sinne

1. Gucken
Dem anderen Geschlecht schaut man gerne mal auf den Po. Er kann fürs Schauen auch schön in Szene gesetzt werden durch enge Hosen. Viele afrikanische Frauen haben einen tollen Apfelpo! Manche Evolutionsforscher sagen, die Brüste ahmen nur den Po nach, um die Aufmerksamkeit von Männern zu erregen. Bart Simpson erregt, so wie viele andere, die Aufmerksamkeit der Menschen durchs provokante nackte-Hintern-Zeigen.

2. Hören
Hören kann man den Po auch, das ist dann weniger schön. Man hat leider wegen Tabuisierung noch keinen gangbaren Weg gefunden, damit umzugehen. Darf man an frischer Luft? Bis zur nächsten Toilette kann viel Zeit vergehen! Manchmal ein Gradmesser, ob es einem in einer Beziehung zu gemütlich geworden ist. Wer allein ist oder schläft, dem sind diese Überlegungen wurscht.

3. Riechen
Die Toilettenhygiene ist ein hochinteressantes, tief in der Kulturgeschichte verankertes Thema. An manchen Orten, z.B. in Ägypten, gibt es Bidets, fließendes Wasser für den Po, und man gibt sich nur die rechte Hand, weil die linke für den Po reserviert ist. In Deutschland sind Tücher üblich, trockende und feuchte. In Gefahr, einen Po direkt zu riechen, kommen sowieso nur diesbezüglich mutige Pärchen, die es, zumindest in der heterosexuellen Welt, eher selten gibt.
 
4. Schmecken
Abgesehen von etwas Sahne mit Honig, die man zusätzlich beim Liebesspiel auf den Po applizieren kann, geht dieses Thema über die gesetzten Grenzen des Blogs hinaus und sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

5. Absichtlich Berühren
Eine der tollsten Kuschelpositionen ist Schoß-an-Po.
Eine der unbeliebtesten Gesten, wenn man nicht sehr vertraut miteinander ist: das Tatschen auf den Po.

Zufällig Berühren
Männliche und weibliche Muslime beten in Moscheen getrennt voneinander, denn es kommt nicht selten vor, dass man beim Senken des Oberkörpers mit dem Kopf an den Po der Vorderfrau stößt.

Tasten
Gerade einen prallen Po mag man gerne streicheln und drücken, auch wenn ein nackter Erwachsenenpo etwas rauh, haarig oder pickelig sein kann. Deshalb ist der Klassiker der streichelzarten Haut der Babypopo.

6. Erspüren
Und da hätten wir auch schon den Übergang zu einer sinnlichen Erfahrung, die nicht allen Menschen zuteil wird, mir in im Moment mehrmals täglich: ein faustgroßer Popo schiebt sich rechts knapp unterhalb meiner Rippen von innen heraus und bildet dort eine Riesenbeule, die genau in meine Handfläche passt. Einerseits eine Unverschämtheit! Wie so Vieles im Zusammenhang mit dem Po. Andererseits ein Gruß wie aus einer anderen, zauberhaften Welt, in der das  zarte Erspüren und Erfühlen Anfang und Ende sind.

Die weibliche Mitte

An einem unbekannten Punkt auf dem Weg in den sechsten Schwangerschaftsmonat habe ich meine Ressentiments gegen üppige Frauenbäuche verloren. Insbesondere natürlich die gegen meinen. 15 Jahre lang verzehrte ich mich vor Sehnsucht nach einer harten und flachen Mitte. Nun nährt, schützt und wiegt mein Bauch mein Kleines. Er schenkt Leben. Ich habe unbändige Lust, meine weiche Mitte sechs mal 15 Jahre lang zu lieben, zu achten und zu ehren.

Himmlisches Schaukeln

Mitten in einem dieser kalten Tage, die manchmal warm sind und manchmal sonnig, legen wir uns aufs Bett, beide müde. Wir liegen auf der Seite, und du hast deine Arme um mich geschlungen. Ich berühre dich an so vielen Stellen wie möglich, meistens geht es immer noch besser: mehr Fuß, mehr Bein, den Kopf so drehen, dass ich dich riechen kann und deinen Atem hören. Dann liegen wir still. Vielleicht zuckt schon irgendein Körperteil beim Einschlafen. Und dann fängt eine von uns an, ganz sacht hin und her zu wippen. Die andere nimmt die Bewegung auf. Wir schaukeln ganz leicht hin und her, in einem himmlisch-verträumten Takt. Das dauert höchstens drei Sekunden.

Gott hat mich nie gefragt, ob ich leben möchte. Jeden Tag wieder, fühlen, leiden, lachen, Dinge machen müssen. In vielen schaurigen Augenblicken zweifle ich. Jedoch, um dieses Momentes Willen: hätte sie es getan, die richtige Antwort wäre „Ja!“ gewesen.
 

Mehr Achtung dem Körper der Frau gegenüber!

In unserer Gesellschaft wird Frauenkörpern zuwenig Achtung entgegengebracht. Drei Beispiele sollen diese These untermauern: Schönheitsideal, Schwangerschaftsverhütung und Geburt.

Frauenkörper werden in der westlichen Welt auf die gertenschlanken Körper junger Mädchen reduziert. Diese werden vermarktet in Mode und Medien. Das ist auch nachvollziehbar, denn man schaut sie gerne an. Leider geht dadurch aber bei den meisten Menschen der Sinn für andere Frauenkörper, die genauso oder sogar mehr fraulich und weiblich sind, verloren. Frauenkörper sind weich und sanft, sie trösten, strahlen Wärme aus, schenken und nähren Leben. Einen reifen Frauenkörper um jeden Preis in eine schlanke, straffe Form peitschen zu wollen, grenzt an Gewalt und missachtet das Wesen und die Natur einer Frau.

Grenzüberschreitend geht auch die Medizin mit Frauenkörpern um. Frauen werden nicht genügend mit solchen Verhütungsmitteln vertraut gemacht, die mit dem weiblichen Körper harmonieren. Mechanische Verhütungsmittel sind, werden sie richtig gehandhabt, hygienisch und sicher und greifen nicht in den natürlichen Hormonhaushalt ein, dessen regelmäßiger Ablauf so wichtig ist für die Psyche und die Gesundheit einer Frau. Der Grund für die mangelnde Aufklärung durch Ärztinnen ist die Lobby der Pharmaindustrie, die ihre Chemie möglichst gewinnbringend vermarkten will. Sie beeinflusst Ärztinnen in hohem Maße. Schade, dass die meisten Frauen, Männer und Frauenärztinnen so wenig wissen über Diaphragma und Portiokappe. Wer sich informieren will, kann auf diese Seite schauen.

Seitdem die Krankenkassen eine Geburt in der Klinik bezahlen, werden dort die meisten Kinder zur Welt gebracht. Die Geburtskliniken sind stark von ökonomischen Zwängen beeinflusst. Ein Kaiserschnitt ist lukrativer als eine natürliche Geburt, man kann seinen Zeitpunkt planen und er dauert bei weitem nicht so lange wie der natürliche Prozess der Geburt, bei dem sich der Körper der Frau langsam auf die Geburt des Kindes vorbereitet und der sich über Tage hinziehen kann. Diese Zeit haben die Ärztinnen nicht. Häufig werden Spritzen verabreicht, die kurzfristig Geburtsschmerzen betäuben, die aber viele Risiken bergen (z.B. Verletzung des Nervensystems). Der Damm (Bereich zwischen After und Scheide) der Frau wird oft routinemäßig eingeschnitten, damit die Geburt schneller geht, obwohl er bei einer natürlichen Geburt selten einreißt. Damit gehen große Schmerzen für die Frau einher.  Die werdenden Mütter sind geschwächt und verängstigt. Sind sie im Krankenhaus, hat die Ärztin das Sagen – häufiger noch der Arzt.

Für die meisten dieser Umstände sind, wie gesagt, wirtschaftliche Gegebenheiten verantwortlich: knackige Frauenkörper lassen Verkaufszahlen der Produkte in die Höhe schnellen; die Pharmaindustrie verdient an der Pille 10 mal mehr als an einem Diaphragma; je schneller und technisierter eine Geburt abläuft, desto mehr und desto teurere Geburten kann eine Klinik leisten und bezahlt bekommen. Diese Zusammenhänge sind nicht überraschend. Warum aber fügen sich so viele Mädchen und Frauen den vorgegebenen Erwartungen und nehmen dabei Schaden an Leib und Seele in Kauf?


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