Gott und die Welt

Jetzt nicht nachlassen! Jetzt dranbleiben! Einfach nicht mehr dran denken an Religion und Spiritualität, einfach aus der Kirche austreten, das kann es doch auch nicht sein. Für Viele ist nach der Jugendzeit, wenn es gute Jugendarbeit gab in der Kirche, irgendwie die Luft raus. Für andere ist es nach wie vor wichtig, einem Glauben präzise anzuhängen, auf die richtige Art und Weise. Wieder andere sind nie in Kontakt gekommen mit "dem Religionskram".

Was hast du für ein Menschenbild? Hat jemand den Menschen gemacht? Was ist die Natur des Menschen? Gefragt hat uns niemand, ob wir auf die Erde wollten, oder doch? Erinnerst du dich? Schau in den Sternenhimmel, schau von einem Gebirge auf die Welt. Diese Fragen sind nicht wurscht.

Was wäre denn nun, wenn hinter unserer Realität, einen Steinwurf, ein Haarbreit entfernt, nur Licht wäre? Gottes Licht? Nehmen wir das nur einmal kurz an. Die Menschen-Natur ist so wie die Natur eines jeden Dinges göttlich. Wir können unbegrenzt Lieben. Wir wissen schon alles, was wichtig ist. Alles ist gut. Im Angesicht des Todes zu töten, im Angesicht von Angst oder Trauer aggressiv zu werden, das ist kein Automatismus, sondern eine freie Entscheidung: weil wir auch anders können. Wir können so wie Buddha, so wie Jesus, so wie Ghandi, aber auch wie Siddharta (fiktive Figur bei Hesse, die Buddha zwar göttlich fand, aber ihm nicht nacheiferte, sondern seinen eigenen Weg suchte). Was wäre, wenn es uns alle gibt, damit wir alle unser Leben leben können, so unterschiedlich wie wir sind, so wie wir es jetzt leben? Das klingt simpel, aber überlege doch mal bitte. 

Ich glaube dran. Wir sind so fest miteinander verbunden, ich bin so sehr auch du und du so sehr auch ich, es kann nicht anders sein. Wer bin ich denn überhaupt? Ich allein bin doch schon eine Beziehung. Meine Psyche steht in Beziehung zu meinem Körper, mein Gehirn steht in Beziehung zu meiner Seele. Wir sind eins, und jede von uns erschafft die Welt jeden Tag neu, gibt ihr ein Angesicht. Richtig schön wird es, wenn wir aus der Kraft der Liebe schaffen.

Was wäre, wenn es keinen Tod gäbe? Was wäre, wenn ein Leben, das man bedauert, einfach ein Spielverlauf in einem unendlichen Spiel wäre, das garantiert gut ausgeht? Dann wäre alles halb so dramatisch, halb so schlimm und nicht so wichtig. Hast du mal eine "falsche" Überzeugung gehabt, bist du mal verletzt worden, hast du etwas unendlich Wertvolles verloren? Wahnsinn, was für eine Erfahrung. Bitte sofort ein Buch drüber schreiben. Und im selben oder nächsten Leben dann neue Entscheidungen treffen. Gerne auch wieder "falsch". 

Wer willst du sein, wie willst du leben? Such’ es dir aus und lebe mit Genuss, mit Überzeugung, mit Leidenschaft, mit Inbrunst. Woher das ständige Mißtrauen, du würdest deine Wirkmacht mißbrauchen, wenn du nur dürftest? Von Papa und Mama vielleicht? Es ist alles geschenkt, es wird alles wieder genommen, um erneut geschenkt zu werden. Lebe so wach du nur kannst. Du bist mächtig, du bist wunderbar.

Danke dir meine liebe Mutter Göttin, liebe Nana, für Welt und Leben, ich liebe dich!

Stell' dir vor, Träumerin

Ich würde gerne eine bestimmte Idee beschreiben, die mich von Neuem durchdrungen hat. Es wären poetische, erhebende Worte. Aber es gibt jemanden, der das bereits getan hat, John Lennon im Jahr 1980:

 

Imagine there’s no heaven, it’s easy if you try

No hell below us, above us only sky

Imagine all the people living for today

 

Imagine there’s no countries, it isn’t hard to do

Nothing to kill or die for and no religion, too

 

Imagine all the people living life in peace

You may say I’m a dreamer but I’m not the only one

I hope some day you’ll join us and the world will be as one 

 

Imagine no possessions I wonder if you can

No need for greed or hunger a sisterhood of man 

 

Imagine all the people sharing all the world

 

Frei übersetzt:

Was ist wenn man gar nicht in den Himmel kommen kann und auch nicht in die Hölle? 

Stell’ dir vor, alle leben nur für das "Hier und Jetzt"!

Was ist wenn es gar kein Vaterland gibt und keine Religion, nichts wofür jemand morden oder sterben müsste?

Stell’ dir vor, dass alle Menschen in Frieden leben!

Vielleicht bin ich eine Träumerin, aber nicht die Einzige. Ich hoffe du träumst eines Tages mit, dann wird die Welt sich einen.

Was ist, wenn es gar keinen Besitz gibt, keinen Grund für Neid oder Hunger?

Stell’ dir vor, wir alle sind Geschwister, stell’ dir vor, wir teilen uns die Welt!

Vielleicht bin ich eine Träumerin, aber nicht die Einzige. Ich hoffe du träumst eines Tages mit, und die Welt wird eins sein. 

 

Wovor haben wir Angst? Wie handeln wir liebevoll? Diese zwei Fragen sind die einzigen, mit denen wir uns beschäftigen müssen, damit unsere Seele ihre Flügel ausbreiten und die Wahrheit fühlen kann: dass wir alle eins sind, eins mit der göttlichen Liebe, die uns umgibt. Eigentlich sehr einfach, aber meistens verdammt schwer.

Für Deutsche könnte die Nachricht sein: die Türken in deiner Stadt sind deine Geschwister, und die Moschee, die sie sich bauen möchten, ist kein Angriff gegen deinen Glauben. Für den Militärrat in Kairo könnte die Nachricht sein: teilt die Macht unter euren Schwestern und Brüdern auf, denn das Land und sein Reichtum gehört euch allen. Ihr werdet reicher werden, nicht ärmer, so wie ihr befürchtet. Und für mich heißt es seit Neuestem: es gibt nichts, was die göttliche Macht von mir fordert; es gibt keinen wahrhaftigen Grund, Angst zu haben, z.B. vor der Zukunft; und vor allem gibt es eins nicht: ein wirkliches Ende meines oder allen Lebens.

Na, wer kann da noch unterschreiben? 

What are we afraid of? How do we act lovingly? These two questions are the only ones we have to take care of, in order for our soul to spread her wings and feel the truth: we are all one, we live in unity with the love of god that is always surrounding us. Could be easy, most of the time it’s not.

For Germans, the message could be: the turkish people in your town are your siblings, and the mosque they want to build is not meant to threat your beliefs. For the military counsel in egypt it could be: divide and give your power to your sisters and brothers, because the country and its wealth belongs to all of you. You will be richer, not poorer, like you believe right now. And for me the news is: god wants nothing; there is no true reason to be afraid, p.e. of the future; but most of all: there is no real end to my or any life.

Now, who of you would sign in for this? 

Nicht-Wissen als Kultur

Ja, jetzt bekommen alle Menschen Herzrasen. Nicht-Wissen. Es wird mit Unwissen gleich gesetzt, und im Prinzip erhebt sich jeder über jeden, weil er denkt, mehr zu wissen. Der Chef über den Angestellten und der Westen über die Drittweltländer. Wir leben doch in einer Wissensgesellschaft! Wenn wir etwas können und wollen, dann Wissen produzieren und verbreiten! Und wenn wir etwas nicht wissen, macht uns das ganz wuschig, und wir fühlen uns hilflos und klein. Früher gab’s dafür schlechte Noten. Heute hat man Angst vor sozialer Blamage.

Ich plädiere hiermit für eine gesunde Kultur des Nicht-Wissens. Ich fand es immer schon total prickelnd, dass wir über diesen ominösen Gott nichts wissen. Oder über den Ursprung des Universums. Dass es an der Uni keine richtig befriedigende Theorie gab, weil jede von ihnen an den Enden ausfaserte in den Bereich des Nicht-Wissens. Die Grenzen der Forschung, das Nicht-Wissen der westlichen Wissenschaft, wird uns immer begleiten. Wir werden niemals alles wissen über uns selbst und die Welt. Und vor allem nicht: über Zukunft und Vergangenheit und hier besonders: die Zukunft.

Was wird gleich passieren? Was heute Abend, was morgen, was in fünf, in zehn Jahren? Wir legen auch hierfür Pläne an. Ehe, Kinder, Beruf, wir scheinen genau wissen zu müssen, wann wir was wollen, und wofür wir zu kämpfen und Weichen zu stellen haben. Mag der mich? Bin ich schwanger? Macht mich dieser Job wirklich so erfolgreich, wie ich sein will?

Viel zu sehr beschäftigen wir unseren Kopf mit solchen Fragen. Der Verstand schneidet alles messerscharf und rennt dabei um 1000 Ecken wie ein verängstigtes Hündchen. Nur - unser Körper, unsere Seele und unser spirituelles Dasein, sie kommen nicht hinterher. Und vor allem kommen sie nicht zu Wort. Würden wir zuhören, würden sie uns sagen:

Die Dunkelheit brauchen wir genauso sehr wie das Licht. Im Licht betrachtet sind alle Konturen da, was da ist, wird genau beleuchtet. Im Verborgenen jedoch liegt die ganze Fülle der Möglichkeiten. Alles findet in der Dunkelheit Raum, zu werden und zu wachsen. Uns ängstigt, dass wir die Kontrolle über die Dunkelheit nicht haben. Jede von uns ist aber nur ein Teil im wunderbaren Tanz des Universums. Es ist lächerlich zu glauben, dass wir alles kontrollieren können, alles erreichen können, was wir wollen. Das müssen wir auch nicht! In unserem Körper, in unseren Beziehungen zu anderen Menschen und zur Mutter Welt können wir alles finden, was wir brauchen: Nahrung, Ruhe, Dankbarkeit, Sammlung, Kraft und Freude am Leben. Fühle die Gravitation, wie stark sie dich hält. Fühle dein Herz schlagen, fühle wie dein Atem in dir atmet. Das ist alle Gewissheit, die wir brauchen. Wir leben, in Dunkelheit und Licht, wir können nicht alles wissen, aber alles, was uns wirklich angeht, können wir mit unseren Sinnen begreifen, können wir mit unserem ganzen Sein er-leben.

Ich muss jetzt weg, an einem Pfirsich schnuppern. 

Über das Sterben - und das Werden

Der Schlaf ist der kleine Bruder des Sterbens. Wir sterben also jede Nacht, um am Morgen wieder aufzustehen. Als eine andere - im Schlaf haben wir uns verändert. Wir sind älter geworden, wir haben aber auch dazugelernt.

Die Zeit wird von uns behandelt, als sei sie gleichmäßig fließend. Wir brauchen diese Einteilung in Jahre, Monate, Wochen, Stunden und Minuten, um uns zu orientieren, um miteinander zu kommunizieren, um unser Leben einzuteilen, einzuordnen, abzugleichen. Die Zeit in unserer Wahrnehmung spricht eine andere Sprache. Sind wir ganz eins mit unserem Tun, existiert die Zeit nicht mehr. Sind wir nicht gerne, wo wir sind, oder möchten woanders hin, steht sie still.

Die Zeitabschnitte unseres Lebens, sie mögen nah oder fern wirken - ja, sie gehören zu uns - wir waren aber andere und werden andere sein. Ich im Mutterbauch, ich als Kleinkind, als Schülerin, als Jugendliche - habe ich nicht woanders gewohnt, anders ausgesehen, anders gedacht, gehandelt, andere Dinge und Menschen für wertvoll erachtet? 

Die Frage, was nach dem Tod kommt, ist nicht wirklich eine Leerstelle. Sie ist ebenso leer wie die Frage, was in zehn Jahren ist. Wir werden sein, denn wir waren schon immer. Ein Teil des Großen und Ganzen, ein Teil des Lebensatems, des Lebensbaumes, Lebensflusses, ein Teil der Göttin. Wohin geht die Kerzenflamme, wenn sie gestorben ist? Wo war sie vorher? Die Möglichkeit der Flamme war da, und dann war sie weg (buddhistische Weisheit). Es gab andere Flammen, es wird andere geben. Und doch wird nie wieder eine Flamme so sein, wie die unserer grünen Kerze heute morgen auf dem Frühstückstisch.

Ein kleines Baby stirbt im Mutterleib. Das passiert jedem fünften Baby. Vier von fünf Babys erblicken das Licht der Welt, sie leben länger, bevor auch sie sterben. Warum ist es gerade das fünfte, das stirbt? Warum stellen wir solche Fragen, wo doch Werden und Vergehen uns seit Jahrtausenden so klar vor Augen stehen? 

Weil wir leben, wie nur wir Lebewesen leben können. Heiß und vollblütig. Wir sind voller Leidenschaft für Ziele, andere Menschen, Themen. Mütter wollen gesunde Kinder gebären und großziehen, Familien lieben sich und wollen für immer zusammen bleiben. Bloggerinnen wollen Diktaturen stürzen. Nationen wollen leben, überleben, neu leben, weiterleben. So viel Wille ist da, Lebenswille. "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will" (A.Schweitzer).

Wir "sollen" nicht "unseren Nächsten" lieben, weil "Gottvater" uns dann nicht ins "Paradies" einlässt. Wir "müssen" uns nicht ständig von unseren Bedürfnissen "distanzieren", um das Nirwana zu schauen. "Imagine there’s no heaven - it’s easy if you try - no hell below us - above us only sky - imagine all the people living for today!" (John Lennon) 

Lasst uns jetzt und heute feiern, was wir haben und trauern über das, was wir verloren haben. Lasst uns lebensdienlich leben; lasst uns andere Lebewesen gelten lassen, genau so wie sie sind; lasst uns nicht ängstlich auf irgendeine Autorität starren, und lasst uns nicht vergessen, dass in unserem Vergehen Neues entsteht - jeden Tag wieder. " Jeden Morgen geht die Sonne auf in der Wälder wundersamer Runde. Und die hohe, heil’ge Schöpferstunde, jeden Morgen nimmt sie ihren Lauf." (Hermann Claudius)

Grunderkenntnisse über die Göttin

1) Die Göttin gebar mich und die Welt aus sich selbst heraus.
2) Ich komme aus der Göttin, bin bei der Göttin, und werde zur Göttin zurückkehren, so wie die Feuerflamme auf einer Kerze.
3) Die Göttin schuf und ist zugleich das Universum, das die Erde umgibt; die Mutter Erde, die uns mit sanfter Anziehungskraft trägt, hält und auffängt; der Wind, der uns umschmeichelt ist ihr Atem; sie ist ich und ich bin sie. Sie lebt in mir und sie ist ich. Ich bin eine ihrer Lebensäußerungen.
4) Ich bin gut, so wie ich bin. Ich bin nicht nur so geworden, weil meine Kultur oder Familie so war, sondern weil die Göttin in mir ist.
5) Meine Heimat ist die Göttin, das Hier und das Jetzt.
6) Ich gehöre niemandem und muss nichts. Alles, was ich tue, kommt freiwillig aus mir heraus. Die Göttin füllt mich an mit Energie und Ideen bis oben an den Rand.
7) Auch meine Mutter, Freundin, Nachbarin, die Tiere und die Pflanzen auf der Erde, sind eine Lebensäußerung von ihr. Wir alle stammen von und leben aus derselben Kraft. Welchem Lebewesen auch immer ich begegne, ich begegne ihr.
8) Die Göttin ist nicht nur in den Lebewesen. Sie zeigt sich auch in den Beziehungen der Lebewesen untereinander.
9) Die Welt gehört mir nicht. Alles, was ich bekomme, ist ein Geschenk, und ich werde es eines Tages wieder verlieren-an die Göttin-womit es nicht wirklich verloren ist.
10) Die Menschen, Mann und Frau, Europäerinnen und Asiatinnen, sind unterschiedlich in ihrem Temperament, ihrer Kultur und ihrem Spirit. 
11) Alle Lebewesen sind aufeinander angewiesen. Die Menschen brauchen einander.
12) Manche Dinge sind einmalig, aber die meisten Dinge wiederholen sich in Zyklen und kommen immer wieder. Die Menschen leben in und aus einem Zyklus heraus. Der weibliche Menstruationszyklus ist ein Beispiel für die lebensspendende Kraft der Göttin.
13) Alles vergeht eines Tages, um wiederzukommen. Die Zeit und Entwicklungen verlaufen selten linear; oft sind sie spiralförmig und daher manchmal gegenläufig.
14) Humor und Geduld sind die zwei Kamele, die mich durch jede Wüste tragen.
15) Gewalt ist zwar teil der Welt, doch sie schmerzt das Leben sehr. Wenn es um Gewalt geht, also das Verletzen und Vernichten von Lebewesen, so muss zehn Mal zehntausend Mal darüber nachgedacht werden, wie sie so gut wie möglich langfristig verhindert werden kann.
16) Weibliche Wesen bringen das Leben in diese Welt. Sie sind es, die den Lebewesen ihr Leben schenken und sie sind auch diejenigen, die es zuerst nähren und wärmen mit allem, was sie haben, so dass es sich entfalten kann. 

Alltag mit der Göttin

1) Dem Leben und alle, die es haben, bringe ich Respekt und Achtung entgegen.
2) Für alles, was mein Leben und das Leben um mich herum erhält, empfinde ich Dankbarkeit.
3) Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich als Person habe meine Zeit auf der Erde, und wenn sie um ist, werde ich von der Erdoberfläche verschwinden; ebenso mein Bewusstsein aus der geistigen und geistlichen Welt; jedoch nur, um verwandelt zu werden und doch im Universum zu bleiben.
4) Ich bin wahnsinnig stark. Ich bin stark wie eine Löwin.
5) Ich feiere, was der Jahreslauf, mein Lebenslauf und das meiner Lieben bringt: Morgen, Abend, Mittag, Nacht, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, ein neues Jahr, ein neues Lebensjahr, Sommersonnenwende, Ernte, Geburt, das Erwachen der Sexualität, das Ende der Kindheit, den Anfang des Erwachsenenlebens, Hochzeit, Erfolge, Abschiede, den Tod.
6) Ich verteile mich an mich, die Meinen und an die Welt. Meine Ideen, meine Liebe, meine Nähe, meine Wärme, meine Energie, meine Aggression, meine Gedanken, meine Stimme, mein Duft, meine Gebärmutter, mein Atem, mein Tanz, mein Lachen, mein Wissen, meine Kreativität, meine ewige und heilige Neugier. Und doch bleibe ich bis in die Ewigkeit bei mir selbst.
7) Ich schaffe Netzwerke, in denen Menschen gut leben können. Ich schaffe und erhalte die Beziehungen um mich herum, und fülle sie mit Leben. Vor allem Freundinnen brauche ich wie die Luft zum Atmen.
8) Ich sorge gut für mich. Ich passe auf mich auf. Ich mache Pausen im Alltag. Ich habe Momente ich denen ich nichts tue. Ich bleibe Menschen und Gewohnheiten im Großen und Ganzen fern, die mir langfristig schaden. Ich achte auf meine Körperhygiene und meine Kleidung. Ich habe Momente, in denen ich für niemanden anders da sein möchte als nur für mich allein und schaffe mir entsprechende Freiräume.
9) Frauen und Männer schätzen Frauen im allgemeinen zu gering und erlegen ihnen alle möglichen Pflichten auf. Damit verdecken sie deren göttliche Kraft. Dem versuche ich entgegenzuwirken, wie es eben geht. Gerechte Sprache, Solidarität unter Frauen, hinterfragen von Autoritäten, orientieren an weiblichen Lebensrealitäten als Richtlinie. Solidarität unter Frauen meint: ob Mutter, ob Alleinstehende, ob Ehefrau, Hausfrau oder berufstätig – es gibt viele Lebenswege einer Frau. Lasst uns aufhören, darum zu streiten, welcher der Beste ist und anfangen, unsere Erfolge gemeinsam zu feiern.
10) Der Gedanke 16 scheint so verängstigend zu sein, dass Männer und Frauen die Tatsachen gerne ins Gegenteil verdrehen und Frauen als besonders abhängig betrachten. Frauen leisten aber nicht Dienst am Leben, weil sie das müssten, sondern weil sie wissen, dass sie und die warmen Beziehungsnetze, die sie stricken, von allen Lebewesen gebraucht werden. Sie verlangen sehr wenig im Gegenzug, aber nicht, weil ihr Dienst nichts wert ist, sondern weil sie aus Güte und Barmherzigkeit und nicht aus Habgier handeln. 
11) Mir wird ganz anders, wenn ständig  ich von „Göttin“ und „gebären“ spreche. Der Leserin wahrscheinlich auch. Es ist Zeit für einen Wandel hin zu einem Bewusstsein und einer Sprache, die die weibliche Kraft in ihrer ganzen Größe in Geschichte und Gegenwart sichtbar und erfahrbar machen.
12) Mein spiritueller Weg hat mit meiner Konfirmation in der ev. Kirche nicht aufgehört. Es geht immer weiter hin zur Göttin. Ich vermisse weibliche Bilder in der Kirche so sehr. Weniger die theoretische Möglichkeit als vielmehr die praktische Umsetzung. Lasst uns Namen finden, Bilder und Geschichten, die uns die göttliche Kraft der Frauen und die weibliche Seite Gottes vor Augen führt, in unser Herz hinein.
13) Der weibliche Körper ist ein Abbild der Göttin. Nur hier wird aus heiligem Blut heiliges Leben. Hängebusen, Cellulite, Krampfadern, runder Bauch, breite Hüften, kurze Beine – das ist die Göttin, wie sie leibt und lebt. Wir Frauen sollten hinter die Fassade unserer Wünsche an unseren Körper sehen. In einem Gebet, einer Meditation. Können wir unseren Körper erkennen, wie die Göttin ihn schuf? In einem weiblichen Körper ruhen die Kräfte, neues Leben enstehen zu lassen. In Nullkommanichts kann er einen Kuchen backen, der einen Embryo und später ein Kind jahrelang nähren kann. Einen Kuss dafür jeden Tag auf jeden Finger, jeden Zeh, und einen Dankestanz obendrauf!
14) Jede Lebensphase einer Frau stellt ihr Aufgaben. Einen Mann zu finden und von ihm geliebt zu werden ist nicht das Endziel und die Bestimmung, die eine Frau erst zur Frau macht. Eine Frau lieben und ehren zu können, und damit ist nicht nur seine Mutter gemeint, ist ein zwar ein wichtiges Ziel für jeden Mann; die Frauen sollten sich darauf konzentrieren, ihre eigene Kraft und Stärke zu erkennen.

Anleitung zum Gebet

Wie der aufgewühlte Fluss wieder klar wird

sitzend oder stehend die Aufmerksamkeit auf den Atem richten und ihn mindestens 10 Min. lang mit folgenden Gedanken begleiten:

 

Ich bin angekommen

 

Ich bin zuhause

 

Im Hier 

 

Im Jetzt

 

Ich bin stark

 

Ich bin frei

 

Bei dir, Göttin

 

Bin ich Zuhause.

 

 


 

Frei nach einem buddhistischen Gebet

Danke, Irene!

Gebet vom Scheiden

Moses Mutter, als der Weidenkorb davon schwimmt (Ex 2, 1-4)


Ade nun zur guten Nacht! Jetzt wird der Schluß gemacht, daß ich muß scheiden.

Die bittere Erkenntnis, jetzt zurückgelassen zu sein.

Das Wissen, dass es jemanden gibt, die mich halten kann
Zeit schenken kann
Lächeln und Wärme
Die nicht da ist

Das Wissen, dass es jemanden gibt, der gehalten werden möchte
Der Zeit braucht
Mein Lächeln und meine Wärme
Der nicht da ist

Aus dem Himmel heruntergestiegen
Die Nabelschnur durchtrennt
Zur Adoption frei gegeben
Sich scheiden lassen
Einen Schlussstrich gezogen

Zur Freiheit geboren, Freiheit in Liebe
Wohin mit der Sehnsucht?
Wohin mit den Bildern, die nicht entstehen dürfen?

Große, starke Göttin
Manchmal kann ich das nicht. Manchmal will ich das nicht. Manchmal verstehe ich nicht, wie du es zulassen kannst, dass wir in Trennung leben. Waren wir nicht mal eins in dir?

Psychoanalytisch gesehen: Regressive Sehnsucht. Süchtig nach Kindheit, Sich-Fallen-Lassen. Stehengeblieben. Freud macht mich klein.

Groß und stark machen
Das Geben, dem Menschenkind, es kann jedes sein
Weil ich jetzt ja weiß, wozu das Geben gut ist.
Das Trotzdem
Das Annehmen
Die Solidarität und geteiltes Leid
Unter deinem Segen
Weitergehen.
Dein Sohn ist schon vorangegangen und reicht mir seine Hand.

Meine Liebe
Immer, immer wird mein Herz
Sehnsüchtig, bange
Fragen,
Sich erinnern,
wie es war,
als wir zusammen waren.  


Klage gegen Gott

Gott,
wie kannst du so grausam sein?

Du hast mich mit unendlich viel Sehnsucht ausgestattet. Mit dem Bedürfnis, berührt zu werden von warmer Haut! Bedacht zu werden mit neugierigen Blicken! Mich an eine Brust zu schmiegen! Fest in den Armen gehalten zu werden, wenn ich traurig bin! Zu verschmelzen mit einem geliebten Körper und einer verehrten Seele! Mit dem Wunsch, jemanden an meiner Seite zu haben, der Zeuge meines Alltags wird, der mich begleitet, der mich kennt, mit dem ich mich austauschen und die Welt teilen kann!
 
Du schicktest mir einen jungen Menschen. Ich machte ihn mir vertraut, er war mir so nah. Ich kannte seine Stimme, seinen Geruch, sein Lächeln, seine Geschichte, seine Zärtlichkeit, seine Trauer, seine Wut. Aber es ist auseinander gegangen! Nun sehe ihn nicht mehr, kenne ihn nicht mehr. Ich vermisse ihn! Er war mir so nah, unter meiner Haut, in meinem Herzen! Und nun werde ich ihn nie wieder sehen. Soll ich ihn vergessen? Das kann ich nicht!

Dann war ich einsam, so schrecklich einsam! Meine Seele, meinen Körper vermissten ihn! Das kam zur Sehnsucht dazu, die du, Herr, mir schon gegeben hattest.

Ein zweites Wesen lernte ich kennen, und wie merkwürdig es doch war, dass sich wieder ein zartes Pflänzchen Zuneigung entwickelte, und dann ein großes Feuerwerk zwischen uns. Aber nach einer Weile wurde es wieder zur schrecklichen Gewissheit: dass es keine Zukunft mehr für uns geben wird! Mein Blick ist nun getrübt und ich taumele vor Schmerz.

Herr, wie oft noch soll ich mein Herz an einen Menschen verschenken? Wie oft mein Inneres offenbaren? Warum hast du meine Seele so empfindlich gemacht und warum lässt du Wunden niemals heilen?

Heil wäre mein Herz, hätte es nur einen Menschen für mich gegeben von Anfang an. Eine Seele, einen Körper, zu lieben bis in Ewigkeit. So hast du die Welt und mich aber nicht gemacht! Warum nur, Herr?

- gewidmet M.K. -
 
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