Anleitung zum Gebet

Wie der aufgewühlte Fluss wieder klar wird

sitzend oder stehend die Aufmerksamkeit auf den Atem richten und ihn mindestens 10 Min. lang mit folgenden Gedanken begleiten:

 

Ich bin angekommen

 

Ich bin zuhause

 

Im Hier 

 

Im Jetzt

 

Ich bin stark

 

Ich bin frei

 

Bei dir, Göttin

 

Bin ich Zuhause.

 

 


 

Frei nach einem buddhistischen Gebet

Danke, Irene!

Gebet vom Scheiden

Moses Mutter, als der Weidenkorb davon schwimmt (Ex 2, 1-4)


Ade nun zur guten Nacht! Jetzt wird der Schluß gemacht, daß ich muß scheiden.

Die bittere Erkenntnis, jetzt zurückgelassen zu sein.

Das Wissen, dass es jemanden gibt, die mich halten kann
Zeit schenken kann
Lächeln und Wärme
Die nicht da ist

Das Wissen, dass es jemanden gibt, der gehalten werden möchte
Der Zeit braucht
Mein Lächeln und meine Wärme
Der nicht da ist

Aus dem Himmel heruntergestiegen
Die Nabelschnur durchtrennt
Zur Adoption frei gegeben
Sich scheiden lassen
Einen Schlussstrich gezogen

Zur Freiheit geboren, Freiheit in Liebe
Wohin mit der Sehnsucht?
Wohin mit den Bildern, die nicht entstehen dürfen?

Große, starke Göttin
Manchmal kann ich das nicht. Manchmal will ich das nicht. Manchmal verstehe ich nicht, wie du es zulassen kannst, dass wir in Trennung leben. Waren wir nicht mal eins in dir?

Psychoanalytisch gesehen: Regressive Sehnsucht. Süchtig nach Kindheit, Sich-Fallen-Lassen. Stehengeblieben. Freud macht mich klein.

Groß und stark machen
Das Geben, dem Menschenkind, es kann jedes sein
Weil ich jetzt ja weiß, wozu das Geben gut ist.
Das Trotzdem
Das Annehmen
Die Solidarität und geteiltes Leid
Unter deinem Segen
Weitergehen.
Dein Sohn ist schon vorangegangen und reicht mir seine Hand.

Meine Liebe
Immer, immer wird mein Herz
Sehnsüchtig, bange
Fragen,
Sich erinnern,
wie es war,
als wir zusammen waren.  


Klage gegen Gott

Gott,
wie kannst du so grausam sein?

Du hast mich mit unendlich viel Sehnsucht ausgestattet. Mit dem Bedürfnis, berührt zu werden von warmer Haut! Bedacht zu werden mit neugierigen Blicken! Mich an eine Brust zu schmiegen! Fest in den Armen gehalten zu werden, wenn ich traurig bin! Zu verschmelzen mit einem geliebten Körper und einer verehrten Seele! Mit dem Wunsch, jemanden an meiner Seite zu haben, der Zeuge meines Alltags wird, der mich begleitet, der mich kennt, mit dem ich mich austauschen und die Welt teilen kann!
 
Du schicktest mir einen jungen Menschen. Ich machte ihn mir vertraut, er war mir so nah. Ich kannte seine Stimme, seinen Geruch, sein Lächeln, seine Geschichte, seine Zärtlichkeit, seine Trauer, seine Wut. Aber es ist auseinander gegangen! Nun sehe ihn nicht mehr, kenne ihn nicht mehr. Ich vermisse ihn! Er war mir so nah, unter meiner Haut, in meinem Herzen! Und nun werde ich ihn nie wieder sehen. Soll ich ihn vergessen? Das kann ich nicht!

Dann war ich einsam, so schrecklich einsam! Meine Seele, meinen Körper vermissten ihn! Das kam zur Sehnsucht dazu, die du, Herr, mir schon gegeben hattest.

Ein zweites Wesen lernte ich kennen, und wie merkwürdig es doch war, dass sich wieder ein zartes Pflänzchen Zuneigung entwickelte, und dann ein großes Feuerwerk zwischen uns. Aber nach einer Weile wurde es wieder zur schrecklichen Gewissheit: dass es keine Zukunft mehr für uns geben wird! Mein Blick ist nun getrübt und ich taumele vor Schmerz.

Herr, wie oft noch soll ich mein Herz an einen Menschen verschenken? Wie oft mein Inneres offenbaren? Warum hast du meine Seele so empfindlich gemacht und warum lässt du Wunden niemals heilen?

Heil wäre mein Herz, hätte es nur einen Menschen für mich gegeben von Anfang an. Eine Seele, einen Körper, zu lieben bis in Ewigkeit. So hast du die Welt und mich aber nicht gemacht! Warum nur, Herr?

- gewidmet M.K. -
 
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