Gebet vom Scheiden

Moses Mutter, als der Weidenkorb davon schwimmt (Ex 2, 1-4)


Ade nun zur guten Nacht! Jetzt wird der Schluß gemacht, daß ich muß scheiden.

Die bittere Erkenntnis, jetzt zurückgelassen zu sein.

Das Wissen, dass es jemanden gibt, die mich halten kann
Zeit schenken kann
Lächeln und Wärme
Die nicht da ist

Das Wissen, dass es jemanden gibt, der gehalten werden möchte
Der Zeit braucht
Mein Lächeln und meine Wärme
Der nicht da ist

Aus dem Himmel heruntergestiegen
Die Nabelschnur durchtrennt
Zur Adoption frei gegeben
Sich scheiden lassen
Einen Schlussstrich gezogen

Zur Freiheit geboren, Freiheit in Liebe
Wohin mit der Sehnsucht?
Wohin mit den Bildern, die nicht entstehen dürfen?

Große, starke Göttin
Manchmal kann ich das nicht. Manchmal will ich das nicht. Manchmal verstehe ich nicht, wie du es zulassen kannst, dass wir in Trennung leben. Waren wir nicht mal eins in dir?

Psychoanalytisch gesehen: Regressive Sehnsucht. Süchtig nach Kindheit, Sich-Fallen-Lassen. Stehengeblieben. Freud macht mich klein.

Groß und stark machen
Das Geben, dem Menschenkind, es kann jedes sein
Weil ich jetzt ja weiß, wozu das Geben gut ist.
Das Trotzdem
Das Annehmen
Die Solidarität und geteiltes Leid
Unter deinem Segen
Weitergehen.
Dein Sohn ist schon vorangegangen und reicht mir seine Hand.

Meine Liebe
Immer, immer wird mein Herz
Sehnsüchtig, bange
Fragen,
Sich erinnern,
wie es war,
als wir zusammen waren.  


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