Frühling, Sommer, Herbst und Winter
Wir sind Umweltwesen. Definieren unsere Identität über soziale Beziehungen. Und werden, je nachdem welche Schule man fragt, auch ein bißchen bis völlig von den Sternen/ dem Mond/ der Sonne beeinflusst.
Wie beeinflusst es uns Ex-Pats denn, wenn zwischen den Jahren auf einmal die Sonne bei 20 Grad scheint?
Prinzipiell ist einem sommerlich zumute, weil die Bäume grünen. Sagen Gäste aus Deutschland. Ich selbst fühle mich winterlich wie die Ägypter, bin schon akklimatisiert. Aber stellt euch Folgendes vor:
Ein Tag zwischen den Jahren. Die lieben Verwandten sind zurückgekehrt nach Hause. Stille im Haus nach der weihnachtlichen besinnlichen Stille. Der Mann arbeitet. Ich selbst habe frei. Es ist kalt in der Wohnung. Bin traurig. Ziehe meinen dicken Mantel an, um das Kind aus dem Kindergarten zu holen.
Da strahlt mir aus grünen Bäumen die Sonne ins Gesicht. Die Luft scheint klar, die Müllverbrennungs-Wolken sind wohl in eine andere Richtung gezogen. Ein energiegeladenes Lied meiner Lieblingssängerin klingt in meinem Ohr. Die Vögel zwitschern. Ich fühle mich wie Ostern, und das zwei Tage nach Weihnachten. Da wird mir klar, was ich euch schreiben muss: ihr denkt nur, dass es jetzt Winter ist, und mindestens zwei Monate lang bleiben wird. In Wahrheit scheint die Sonne. In Wahrheit ist, wenn eine Träne fällt, woanders die Welt voller Kinderlachen. Deutscher Winter ist gleichzeitig Sonnenschein und 20 Grad in Ägypten. Ort und Zeit begrenzen uns, weil unser Hirn nur verarbeitet, was es gerade an Informationen bekommt.
Warum gibt es Geburtstage, Weihnachten, Ostern, Fasnacht, Hochzeitstage, Jubiläen? Aus dem einzigen Grund, weil, wenn wir keine Pause vom Feiern machten, wir das Feiern nicht mehr als Feiern würdigen könnten. Wenn wir einen andauernden Zustand des Glücks als solchen erkännten, gäbe es diese Tage nicht: dann wäre das ganze Leben ein Fest.
Das Glück ist wirklich nur ein Steinwurf weg, ein Paralleluniversum voller Glück schwebt einen Millimeter von unserer Haut entfernt mit uns durchs Leben. Wir könnten es sehen, wenn wir es wollten. Wenn wir mit der Vergleicherei aufhörten und sähen, was uns geschenkt ist.
Also, ein für alle Mal: hier scheint die Sonne, haltet durch, sie kommt bald wieder zu euch. Und wenn euch das zu lange dauert, dann kommt hergeflogen und besucht uns in Ägypten.