Sexuelle Belästigung in Ägypten heute - Sexual harassment in egypt today

Monday morning, 8.30a.m, Zamalek, rich people and diplomats live here. It’s 29 degree already, it’s going to be 10 more at noon. It’s very early, there are rarely people on the street. I just put my kid to nursery and I’m on my way back home, on Shagarit al-Durr-street. I’m walking slow, six months pregnant, I can feel it and one can see it. I’m in a bad mood, looking down to the street. I’m tired, it’s too hot. I am thinking about our flight back to Germany. Six days to go. A big, smelling puddle makes it impossible for me to cross the street like always, so I go on walking straight. Suddenly I feel an unpleasant, quick grab on my left breast. Surprised I look up. A young egyptian runs by me. Blue, tight T-shirt, black, short hair, stonewashed bluejeans. He keeps on running. I realised I just got harassed. I scream towards him, in english, and really regret I haven’t learned something arabic like "Don’t you have a mother?" that would at least touch the heart of some bystanders.

I turn around again and start sobbing. A young couple walks by on the other side of the street, he is laughing. I scream at him as well. He shuts up immediately. A shop owner asks me what was going on and I shout it to him. He seems to be relieved and says calmingly "malesh, malesh". What does that mean? That he doesn’t think something terrible happened and that he wants to calm me down.

A diplomat district, daytime, a pregnant woman, shoulders and knees covered. Whatever. Without babybelly, a mini skirt at night in a poor neighbourhood wouldn’t have made it better.

That is what’s been going on half an hour ago. Slowly my tears stop running. I’ve reached a new low in my egypt harassment career. I guess I’m even lucky, that so far nothing worse happened.

I don’t know what it is that us women are being punished for. In egypt it can’t be the christian thought of Eve having brought sin to the poor men. The fact is, egyptian men put us women in distress through harassing us, almost everywhere in Egypt, but certainly everyday. No matter how old a woman is, what she is wearing or where she is from. Tell the world who does this to you. Tell everyone. Shame on all men who make it impossible for us to walk securely and free on our way through town.

 

Montagmorgen, 8.30 Uhr. Reichen- und Diplomatenviertel Zamalek, Kairo. Schon 29 Grad heiß. Es werden wohl noch 10 mehr werden. Es ist sehr früh, noch kaum jemand ist auf der Straße. Ich habe mein Kind im Kindergarten abgeliefert und bin auf dem Heimweg. Ich laufe langsam auf der Shagarit-el-Durr-Straße: die sechs Schwangerschaftsmonate sind bald voll, und das spüre ich und man sieht es auch. Ich bin schlecht drauf, gucke auf den Fußboden. Ich bin noch müde, es ist zu heiß. Ich denke an unsere bevorstehende Reise nach Deutschland. Noch sechs Tage. Eine riesige, stinkende Pfütze neben dem Gehweg hindert mich daran, meinen normalen Weg über die Straße zu gehen. Also laufe ich geradeaus weiter. Auf einmal spüre ich eine grobes, flüchtiges Reißen an meiner linken Brust. Ich schaue überrascht und perplex hoch. Ein junger Ägypter rennt an mir vorbei. Hellblaues, enganliegendes T-shirt, schwarze, kurze Haare, blaue, ausgewaschene Jeans. Er rennt und rennt. Da erst wird mir klar, dass ich "belästigt" worden bin. Ich schreie ihm nach, auf englisch, und bereue zutiefst, nicht dem Tipp meines Mannes gefolgt zu sein und "Hast du keine Mutter?" oder irgendwas auf Ägyptisch gelernt zu haben, dass in einer solchen Situation zumindest die Herzen der umstehenden Männer erweichen würde. 

Ich drehe mich wieder um und fange zu schluchzen an. Ein junges Pärchen läuft auf der gegenüberliegenden Straßenseite, sie schauen rüber und er lacht. Ich schreie ihn auch noch an, da hört er auf. Ein Ladenbesitzer mit grauen kurzen Haaren und Brille auf deren Seite macht eine fragende Geste. Ich sage ihm was passiert ist, besser gesagt, ich schreie es rüber. Er scheint erleichtert zu sein, dass das alles ist, auf jeden Fall sagt er in beruhigendem Ton "Malesch, malesch." Ich weiß bis heute nicht, was das genau heißen soll. Ich weiß nur, dass diejenige, die es sagt, denkt, dass nicht Schlimmes passiert sei, und dass es diejenige, der es gesagt wird, beruhigen soll.

Ein Diplomatenviertel, am hellichten Tag, eine schwangere Frau, Schultern und Knie bedeckt. Ach was soll’s. Ohne Babybauch im Minirock nachts um drei in einem Armenviertel wäre es auch nicht besser gewesen.

Das war gerade eben, vor einer halten Stunde. Der Tränenfluss lässt langsam nach. In der Liste "Anstarren, Zungenschnalzen, Nachpfeifen, Anpöbeln, Herandrängen, Angrapschen" bin ich jetzt eben auf der letzten Stufe gelandet. Es ist nicht wirklich die letzte Stufe. Ich bin eine Frau, die im Großen und Ganzen Glück hatte und vor männlichen Übergriffen weitgehend verschont geblieben ist.

Ich weiß nicht genau, wofür Frauen da büßen müssen. In Kairo kommt die Erbsünde durch Eva ja wohl nicht in Frage. Fakt ist, dass ägyptische Männer auf der Straße regelmäßig und so gut wie überall Frauen jeder Nation, jeden Alters, in jeder Art von Kleidung belästigen. Benennt die Schuldigen. Erzählt es allen weiter. Schande über alle Männer, die uns daran hindern, sicher, frei und unbeschwert unseren Weg zu gehen.

Grunderkenntnisse über die Göttin

1) Die Göttin gebar mich und die Welt aus sich selbst heraus.
2) Ich komme aus der Göttin, bin bei der Göttin, und werde zur Göttin zurückkehren, so wie die Feuerflamme auf einer Kerze.
3) Die Göttin schuf und ist zugleich das Universum, das die Erde umgibt; die Mutter Erde, die uns mit sanfter Anziehungskraft trägt, hält und auffängt; der Wind, der uns umschmeichelt ist ihr Atem; sie ist ich und ich bin sie. Sie lebt in mir und sie ist ich. Ich bin eine ihrer Lebensäußerungen.
4) Ich bin gut, so wie ich bin. Ich bin nicht nur so geworden, weil meine Kultur oder Familie so war, sondern weil die Göttin in mir ist.
5) Meine Heimat ist die Göttin, das Hier und das Jetzt.
6) Ich gehöre niemandem und muss nichts. Alles, was ich tue, kommt freiwillig aus mir heraus. Die Göttin füllt mich an mit Energie und Ideen bis oben an den Rand.
7) Auch meine Mutter, Freundin, Nachbarin, die Tiere und die Pflanzen auf der Erde, sind eine Lebensäußerung von ihr. Wir alle stammen von und leben aus derselben Kraft. Welchem Lebewesen auch immer ich begegne, ich begegne ihr.
8) Die Göttin ist nicht nur in den Lebewesen. Sie zeigt sich auch in den Beziehungen der Lebewesen untereinander.
9) Die Welt gehört mir nicht. Alles, was ich bekomme, ist ein Geschenk, und ich werde es eines Tages wieder verlieren-an die Göttin-womit es nicht wirklich verloren ist.
10) Die Menschen, Mann und Frau, Europäerinnen und Asiatinnen, sind unterschiedlich in ihrem Temperament, ihrer Kultur und ihrem Spirit. 
11) Alle Lebewesen sind aufeinander angewiesen. Die Menschen brauchen einander.
12) Manche Dinge sind einmalig, aber die meisten Dinge wiederholen sich in Zyklen und kommen immer wieder. Die Menschen leben in und aus einem Zyklus heraus. Der weibliche Menstruationszyklus ist ein Beispiel für die lebensspendende Kraft der Göttin.
13) Alles vergeht eines Tages, um wiederzukommen. Die Zeit und Entwicklungen verlaufen selten linear; oft sind sie spiralförmig und daher manchmal gegenläufig.
14) Humor und Geduld sind die zwei Kamele, die mich durch jede Wüste tragen.
15) Gewalt ist zwar teil der Welt, doch sie schmerzt das Leben sehr. Wenn es um Gewalt geht, also das Verletzen und Vernichten von Lebewesen, so muss zehn Mal zehntausend Mal darüber nachgedacht werden, wie sie so gut wie möglich langfristig verhindert werden kann.
16) Weibliche Wesen bringen das Leben in diese Welt. Sie sind es, die den Lebewesen ihr Leben schenken und sie sind auch diejenigen, die es zuerst nähren und wärmen mit allem, was sie haben, so dass es sich entfalten kann. 

Alltag mit der Göttin

1) Dem Leben und alle, die es haben, bringe ich Respekt und Achtung entgegen.
2) Für alles, was mein Leben und das Leben um mich herum erhält, empfinde ich Dankbarkeit.
3) Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich als Person habe meine Zeit auf der Erde, und wenn sie um ist, werde ich von der Erdoberfläche verschwinden; ebenso mein Bewusstsein aus der geistigen und geistlichen Welt; jedoch nur, um verwandelt zu werden und doch im Universum zu bleiben.
4) Ich bin wahnsinnig stark. Ich bin stark wie eine Löwin.
5) Ich feiere, was der Jahreslauf, mein Lebenslauf und das meiner Lieben bringt: Morgen, Abend, Mittag, Nacht, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, ein neues Jahr, ein neues Lebensjahr, Sommersonnenwende, Ernte, Geburt, das Erwachen der Sexualität, das Ende der Kindheit, den Anfang des Erwachsenenlebens, Hochzeit, Erfolge, Abschiede, den Tod.
6) Ich verteile mich an mich, die Meinen und an die Welt. Meine Ideen, meine Liebe, meine Nähe, meine Wärme, meine Energie, meine Aggression, meine Gedanken, meine Stimme, mein Duft, meine Gebärmutter, mein Atem, mein Tanz, mein Lachen, mein Wissen, meine Kreativität, meine ewige und heilige Neugier. Und doch bleibe ich bis in die Ewigkeit bei mir selbst.
7) Ich schaffe Netzwerke, in denen Menschen gut leben können. Ich schaffe und erhalte die Beziehungen um mich herum, und fülle sie mit Leben. Vor allem Freundinnen brauche ich wie die Luft zum Atmen.
8) Ich sorge gut für mich. Ich passe auf mich auf. Ich mache Pausen im Alltag. Ich habe Momente ich denen ich nichts tue. Ich bleibe Menschen und Gewohnheiten im Großen und Ganzen fern, die mir langfristig schaden. Ich achte auf meine Körperhygiene und meine Kleidung. Ich habe Momente, in denen ich für niemanden anders da sein möchte als nur für mich allein und schaffe mir entsprechende Freiräume.
9) Frauen und Männer schätzen Frauen im allgemeinen zu gering und erlegen ihnen alle möglichen Pflichten auf. Damit verdecken sie deren göttliche Kraft. Dem versuche ich entgegenzuwirken, wie es eben geht. Gerechte Sprache, Solidarität unter Frauen, hinterfragen von Autoritäten, orientieren an weiblichen Lebensrealitäten als Richtlinie. Solidarität unter Frauen meint: ob Mutter, ob Alleinstehende, ob Ehefrau, Hausfrau oder berufstätig – es gibt viele Lebenswege einer Frau. Lasst uns aufhören, darum zu streiten, welcher der Beste ist und anfangen, unsere Erfolge gemeinsam zu feiern.
10) Der Gedanke 16 scheint so verängstigend zu sein, dass Männer und Frauen die Tatsachen gerne ins Gegenteil verdrehen und Frauen als besonders abhängig betrachten. Frauen leisten aber nicht Dienst am Leben, weil sie das müssten, sondern weil sie wissen, dass sie und die warmen Beziehungsnetze, die sie stricken, von allen Lebewesen gebraucht werden. Sie verlangen sehr wenig im Gegenzug, aber nicht, weil ihr Dienst nichts wert ist, sondern weil sie aus Güte und Barmherzigkeit und nicht aus Habgier handeln. 
11) Mir wird ganz anders, wenn ständig  ich von „Göttin“ und „gebären“ spreche. Der Leserin wahrscheinlich auch. Es ist Zeit für einen Wandel hin zu einem Bewusstsein und einer Sprache, die die weibliche Kraft in ihrer ganzen Größe in Geschichte und Gegenwart sichtbar und erfahrbar machen.
12) Mein spiritueller Weg hat mit meiner Konfirmation in der ev. Kirche nicht aufgehört. Es geht immer weiter hin zur Göttin. Ich vermisse weibliche Bilder in der Kirche so sehr. Weniger die theoretische Möglichkeit als vielmehr die praktische Umsetzung. Lasst uns Namen finden, Bilder und Geschichten, die uns die göttliche Kraft der Frauen und die weibliche Seite Gottes vor Augen führt, in unser Herz hinein.
13) Der weibliche Körper ist ein Abbild der Göttin. Nur hier wird aus heiligem Blut heiliges Leben. Hängebusen, Cellulite, Krampfadern, runder Bauch, breite Hüften, kurze Beine – das ist die Göttin, wie sie leibt und lebt. Wir Frauen sollten hinter die Fassade unserer Wünsche an unseren Körper sehen. In einem Gebet, einer Meditation. Können wir unseren Körper erkennen, wie die Göttin ihn schuf? In einem weiblichen Körper ruhen die Kräfte, neues Leben enstehen zu lassen. In Nullkommanichts kann er einen Kuchen backen, der einen Embryo und später ein Kind jahrelang nähren kann. Einen Kuss dafür jeden Tag auf jeden Finger, jeden Zeh, und einen Dankestanz obendrauf!
14) Jede Lebensphase einer Frau stellt ihr Aufgaben. Einen Mann zu finden und von ihm geliebt zu werden ist nicht das Endziel und die Bestimmung, die eine Frau erst zur Frau macht. Eine Frau lieben und ehren zu können, und damit ist nicht nur seine Mutter gemeint, ist ein zwar ein wichtiges Ziel für jeden Mann; die Frauen sollten sich darauf konzentrieren, ihre eigene Kraft und Stärke zu erkennen.

Lasset die Kinder... hungern, denn sie stören

Dass ich mein Baby stillen kann, war mehr Zufall. Zufall, weil ich einfach davon ausgegangen bin, dass das halt so funktioniert. Wie man das dann macht, im Alltag, hat mir keiner gesagt. In unserem Alltag, wo Kinder bekommen bedeutet, herausgerissen zu werden aus seiner Erwerbstätigkeit, denn die geht nur ohne Säugling; aus seinem Freundeskreis, denn ständig über Kinder zu reden ist für Kinderlose langweilig; aus seinem Alltag, denn mit Kind ist nichts wie vorher.

Inzwischen weiß ich, wie sehr ich Glück hatte, wie wenig Stillen selbstverständlich ist. Nach einem Kaiserschnitt kommt die Milch manchmal nicht in Gang. Mein Baby verlor an Gewicht, nach der Geburt natürlich, aber auch zwei Wochen später. Dennoch hat es mit dem Stillen gut geklappt. Weil mir erfahrene Hebammen zur Seite standen, und weil es für mich selbstverständlich war, mein Kind an die Brust zu legen.

In Deutschland gibt es diese Selbstverständlichkeit nicht. Im KaDeWe zum Beispiel. Da waren wir neulich einen großen Einkauf machen - wir sind gute Kundinnen. In der Porzellanabteilung fragte ich, ob ich stillen dürfe, auf einer Couch in einem leeren Seitengang. Ich durfte nicht. Es werde nicht gerne gesehen. Ich wurde in den 3. Stock geschickt, in die Kinderabteilung. Doch oh Wunder, auch hier kann man Stillende nicht gebrauchen. Ich solle in den 6. oder 7. Stock gehen. Nun, mit Kinderwagen kommt man ohne Aufzug nicht weit, und der fährt nicht in den 7. Stock. Also mit inzwischen brüllendem Kind ab in den 6. Stock, vorbei an der riesigen, stinkenden Fischabteilung und mitten durch die Menschenmenge zum einzigen Stuhl. Womit werden die Kunden von morgen großgezogen und wo? Mit Muttermilch, mitten in unserer Gesellschaft. Sollte man meinen. In Wirklichkeit müssen Mütter schwitzen wenn ihre Babys schreien. Sie schämen sich, in der Öffentlichkeit zu stillen, weil sie verächtliche Blicke ernten. An alle Stillmamas: bitte nie fragen, ob man darf, sondern machen!! Angesprochen, das Stillen störe, wurde ich persönlich (bisher) weder in Deutschland noch in Ägypten.

Ich stille in der Öffentlichkeit, in Deutschland wie in Ägypten. Ich mache es diskret, aber nicht auf der Toilette. Dass das Stillen klappt, dass Mutter und Kind ein gutes Stillpaar werden, ist nicht selbstverständlich. Es ist ein großes Glück, wenn es so ist. Dass Babys ihren Hunger stillen dürfen, wann sie es brauchen, ist ihr gutes Recht. Aber leider keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem Menschen sich von trinkenden Säuglingen belästigt fühlen. Damit meine ich Deutschland.
 
Im Internet trifft man auf Behauptungen, die muslimische Religion verbiete Stillen in der Öffentlichkeit. Da kann man drüber diskutieren. Als Diskussionsgrundlage empfiehlt sich die Lektüre des Koran. Sura 2: Vers 233 „Und Mütter sollen ihre Kinder zwei volle Jahre säugen…“ 
 
 

 

Die weibliche Mitte

An einem unbekannten Punkt auf dem Weg in den sechsten Schwangerschaftsmonat habe ich meine Ressentiments gegen üppige Frauenbäuche verloren. Insbesondere natürlich die gegen meinen. 15 Jahre lang verzehrte ich mich vor Sehnsucht nach einer harten und flachen Mitte. Nun nährt, schützt und wiegt mein Bauch mein Kleines. Er schenkt Leben. Ich habe unbändige Lust, meine weiche Mitte sechs mal 15 Jahre lang zu lieben, zu achten und zu ehren.

Die Frau (fem., Sg.); die Frauen (fem., Pl.)

Wenn ich am Schalter der Post bedient werde, bin ich kein Kunde. In meiner Firma bin ich weder Mitarbeiter noch Kollege. Führe ich einen Rechtsstreit, bin ich kein Klient meines Anwaltes. Meine Mutter ist kein Beamter im öffentlichen Dienst. Meine Komilitoninnen an der Uni sind keine Studenten (etc., pp.).

Klaus schlägt kürzlich das "Eltern"-Magazin auf, und beschwert sich lautstark über das Editorial: es beginnt mit "Liebe Leserin". Klaus ist ein Mann - und was für einer: er wird Papa! -  er ist ein Elternteil und gehört somit offensichtlich zur Zielgruppe des Blattes. Er ist aber keine Leserin! Gabi setzt eine verstehende Miene auf: "Siehst du, Schatz, so geht mir das  mehrmals täglich."

Ja, es ist sperrig und ungewohnt, aber viele meiner Schwestern inklusive mir  fühlen sich nicht angesprochen, wenn nur die Herren der Schöpfung sprachlich bedacht werden! Frauen stellen über die Hälfte der Bevölkerung! Sprecht ihr mit ihnen und/oder über sie, dann überwindet euch endlich und verwendet die weibliche Form in Schrift und Sprache!

Sexualität: wovon wir mehr brauchen

Sexualität ist für die allermeisten Menschen wahnsinnig wichtig. Freuds Weltbild basiert auf der Annahme, unsere gesamte Lebensenergie speise sich aus ihr.

Für Teenager ist Sex nicht nur eine Möglichkeit, zärtliche Gefühle ihrem eigenen Körper und einem anderen Menschen gegenüber auszudrücken, sondern er stellt auch einen prestigeträchtigen Schritt ins Erwachsenenleben dar. Jede Jugendliche hat es verdient, Zeit zu haben, um mit den wahnsinnig wichtigen Veränderungen in ihrem Körper umgehen zu lernen. Erst recht, wenn sie homosexuell ist. Meine Forderung an Eltern, Lehrer, Geschwister, Priester ist: redet mit euren Heranwachsenden! Macht sie sensibel für ihre eigenen Wünsche und härtet sie ab gegenüber Einflüssen der Peer-Group und anderen Druck ausübenden Teilen der Gesellschaft! Vermittelt Wissen über hormonelle Vorgänge und Verhütung! Mütter, sagt euren Töchtern, dass die erste Monatsblutung ein Zeichen der Kraft und Macht ist, neues Leben hervorzubringen! Feiert sie mit ihnen! Flößt ihnen Selbstvertrauen ein! Väter, bläut euren Söhnen Respekt vor Frauen ein!

Es ist unerträglich, dass täglich so viele Frauen unter Druck gesetzt werden, Sex zu haben. Eine selbstbestimmte Sexualität ist das Rückgrad jeder Frau. Frauen zeigen durch ihre Empfindlichkeit in sexuellen Belangen Verantwortung für die Beziehung, für ihre eigene Seele und für das Baby, das bei jedem Geschlechtsverkehr, geschützt oder ungeschützt, entstehen kann! (Für jeden unschuldig-überraschten Männerblick diesbezüglich sollte es hohe Bußgelder geben: Ja, DU WARST direkt beteiligt!) Also bitte. Mädchen und Frauen, sagt klar „Nein!“, wenn ihr euch nicht hingeben wollt! Männer, jammert bei einem solchen „Nein!“ nicht herum, baggert nicht weiter, macht keine Vorwürfe, sondern fügt euch dem angebeteten Wesen auf einfühlsame Weise. So machen es jedenfalls die richtigen Männer, die ohne Prestigegewinn nicht gleich implodieren.
 
 
 

Die verloren gegangene Göttin

Mein Vertrauen und meine erste und letzte Liebe gilt Gott, zu der Jesus Christus führt. Ich bin also Christin, wurde getauft und habe meine Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche mit Religionsmündigkeit bekräftigt. Ich lebe in einer Gemeinde, immer schon, und bin und war dort ehrenamtlich engagiert. Dennoch ist mir durchaus bewußt, wo die viele wichtige Vorstellungen über Gott herkommen: von den Konzilen der katholischen Kirche, die vor langer Zeit Dogmen wie die "Dreieinigkeit Gottes" beschlossen haben. Eine Frau hatte dort kein Mitspracherecht.

Gott schenkt Leben. Sie schuf sogar die Welt. Wir sind täglich Zeuginnen, dass Leben geschenkt wird. Wer schenkt hier auf Erden Leben, wer hat Ihnen das Leben geschenkt? Eine Frau!

In vielen Religionen wurde eine Göttin angebetet, bevor die monotheistischen Religionen entstanden, z.B. Innana, die von den Sumerern verehrt wurde. Diese Göttin erlaubte es Frauen, ihre Fruchtbarkeit und Weisheit zu feiern, sich ihrer Kraft bewusst zu werden und diese solidarisch untereinander zu stärken. Die erste Menstruation wurde gefeiert und führte nicht, wie später im Volk Israel, zu Unreinheit. (Wer eine Geschichte dazu lesen will, dem sei dieser Roman empfohlen.)

Vorletzten Sonntag in der Kirche sang ich diese Liedzeile: "Er leitet mit seiner mütterlichen Hand die Seinen…"

Hilfe! Es fehlt die weibliche Sichtweise in meiner Religion. Möchte eine Pfarrerin von Gott-Mutter sprechen, wird sie suspendiert. Das Argument lautet: Gott hat kein Geschlecht. Dennoch, Gott ist ein liebendes Gegenüber, und Menschen fühlen und sehen liebende Gegenüber nicht so einfach im Nebel oder Nirwana, sondern leichter in einem anderen Menschen. Die Kirche weiß das. Die Lehre besagt deshalb: Die Dreieinigkeit besteht aus drei Personen: Gott, Jesus und Heiligem Geist. Drei Männer. So ganz ohne Frau wollten die Kirchenoberen dann aber doch nicht: es gibt noch Maria, nicht Gott-Mutter, aber immerhin Mutter Gottes.

Ich jedenfalls spreche von Gott-Mutter -in sehr aufrührerischen Momenten der Göttin- und bete das Mutter Unsere. Ich wünschte, die Kirche würde die weiblichen Eigenschaften von Gott nicht so künstlich in das Bild eines Mannes legen, sondern in Liedern, Bildern und Gebeten von der Kreativität, Macht und Liebe einer Göttin sprechen, die sich in jeder von uns finden lässt. Noch viel wichtiger aber, wie bei allen Forderungen rund um die Gleichberechtigung, ist, dass wir Frauen damit anfangen.

Mehr Achtung dem Körper der Frau gegenüber!

In unserer Gesellschaft wird Frauenkörpern zuwenig Achtung entgegengebracht. Drei Beispiele sollen diese These untermauern: Schönheitsideal, Schwangerschaftsverhütung und Geburt.

Frauenkörper werden in der westlichen Welt auf die gertenschlanken Körper junger Mädchen reduziert. Diese werden vermarktet in Mode und Medien. Das ist auch nachvollziehbar, denn man schaut sie gerne an. Leider geht dadurch aber bei den meisten Menschen der Sinn für andere Frauenkörper, die genauso oder sogar mehr fraulich und weiblich sind, verloren. Frauenkörper sind weich und sanft, sie trösten, strahlen Wärme aus, schenken und nähren Leben. Einen reifen Frauenkörper um jeden Preis in eine schlanke, straffe Form peitschen zu wollen, grenzt an Gewalt und missachtet das Wesen und die Natur einer Frau.

Grenzüberschreitend geht auch die Medizin mit Frauenkörpern um. Frauen werden nicht genügend mit solchen Verhütungsmitteln vertraut gemacht, die mit dem weiblichen Körper harmonieren. Mechanische Verhütungsmittel sind, werden sie richtig gehandhabt, hygienisch und sicher und greifen nicht in den natürlichen Hormonhaushalt ein, dessen regelmäßiger Ablauf so wichtig ist für die Psyche und die Gesundheit einer Frau. Der Grund für die mangelnde Aufklärung durch Ärztinnen ist die Lobby der Pharmaindustrie, die ihre Chemie möglichst gewinnbringend vermarkten will. Sie beeinflusst Ärztinnen in hohem Maße. Schade, dass die meisten Frauen, Männer und Frauenärztinnen so wenig wissen über Diaphragma und Portiokappe. Wer sich informieren will, kann auf diese Seite schauen.

Seitdem die Krankenkassen eine Geburt in der Klinik bezahlen, werden dort die meisten Kinder zur Welt gebracht. Die Geburtskliniken sind stark von ökonomischen Zwängen beeinflusst. Ein Kaiserschnitt ist lukrativer als eine natürliche Geburt, man kann seinen Zeitpunkt planen und er dauert bei weitem nicht so lange wie der natürliche Prozess der Geburt, bei dem sich der Körper der Frau langsam auf die Geburt des Kindes vorbereitet und der sich über Tage hinziehen kann. Diese Zeit haben die Ärztinnen nicht. Häufig werden Spritzen verabreicht, die kurzfristig Geburtsschmerzen betäuben, die aber viele Risiken bergen (z.B. Verletzung des Nervensystems). Der Damm (Bereich zwischen After und Scheide) der Frau wird oft routinemäßig eingeschnitten, damit die Geburt schneller geht, obwohl er bei einer natürlichen Geburt selten einreißt. Damit gehen große Schmerzen für die Frau einher.  Die werdenden Mütter sind geschwächt und verängstigt. Sind sie im Krankenhaus, hat die Ärztin das Sagen – häufiger noch der Arzt.

Für die meisten dieser Umstände sind, wie gesagt, wirtschaftliche Gegebenheiten verantwortlich: knackige Frauenkörper lassen Verkaufszahlen der Produkte in die Höhe schnellen; die Pharmaindustrie verdient an der Pille 10 mal mehr als an einem Diaphragma; je schneller und technisierter eine Geburt abläuft, desto mehr und desto teurere Geburten kann eine Klinik leisten und bezahlt bekommen. Diese Zusammenhänge sind nicht überraschend. Warum aber fügen sich so viele Mädchen und Frauen den vorgegebenen Erwartungen und nehmen dabei Schaden an Leib und Seele in Kauf?


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