Lasset die Kinder... hungern, denn sie stören
Inzwischen weiß ich, wie sehr ich Glück hatte, wie wenig Stillen selbstverständlich ist. Nach einem Kaiserschnitt kommt die Milch manchmal nicht in Gang. Mein Baby verlor an Gewicht, nach der Geburt natürlich, aber auch zwei Wochen später. Dennoch hat es mit dem Stillen gut geklappt. Weil mir erfahrene Hebammen zur Seite standen, und weil es für mich selbstverständlich war, mein Kind an die Brust zu legen.
In Deutschland gibt es diese Selbstverständlichkeit nicht. Im KaDeWe zum Beispiel. Da waren wir neulich einen großen Einkauf machen - wir sind gute Kundinnen. In der Porzellanabteilung fragte ich, ob ich stillen dürfe, auf einer Couch in einem leeren Seitengang. Ich durfte nicht. Es werde nicht gerne gesehen. Ich wurde in den 3. Stock geschickt, in die Kinderabteilung. Doch oh Wunder, auch hier kann man Stillende nicht gebrauchen. Ich solle in den 6. oder 7. Stock gehen. Nun, mit Kinderwagen kommt man ohne Aufzug nicht weit, und der fährt nicht in den 7. Stock. Also mit inzwischen brüllendem Kind ab in den 6. Stock, vorbei an der riesigen, stinkenden Fischabteilung und mitten durch die Menschenmenge zum einzigen Stuhl. Womit werden die Kunden von morgen großgezogen und wo? Mit Muttermilch, mitten in unserer Gesellschaft. Sollte man meinen. In Wirklichkeit müssen Mütter schwitzen wenn ihre Babys schreien. Sie schämen sich, in der Öffentlichkeit zu stillen, weil sie verächtliche Blicke ernten. An alle Stillmamas: bitte nie fragen, ob man darf, sondern machen!! Angesprochen, das Stillen störe, wurde ich persönlich (bisher) weder in Deutschland noch in Ägypten.
Ich stille in der Öffentlichkeit, in Deutschland wie in Ägypten. Ich mache es diskret, aber nicht auf der Toilette. Dass das Stillen klappt, dass Mutter und Kind ein gutes Stillpaar werden, ist nicht selbstverständlich. Es ist ein großes Glück, wenn es so ist. Dass Babys ihren Hunger stillen dürfen, wann sie es brauchen, ist ihr gutes Recht. Aber leider keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem Menschen sich von trinkenden Säuglingen belästigt fühlen. Damit meine ich Deutschland.