Erste Streifzüge durch Embaba und Zamalek

Wir haben uns nach einem Tag dann doch aus dem Haus getraut:

Klimaanlage

In reicheren Geschäften wie dem Mobilfunkladen ist die Temperatur bei gefühlten 15 Grad, während es draußen den 40 entgegengeht. So kann ich das Mulltuch, das Linus’ Beine vor Sonne schützen soll, gleich umlassen gegen die Kälte. Das erste Mal schlug mir die schwüle Luft beim Verlassen des Flughafens entgegen. Da hatte ich mich gefragt, wieso die Luft so schwül ist, denn in Kairo gibt es praktisch keinen Niederschlag. Das Wasser kommt hier nicht vom Himmel, sondern tropft aus den Klimaanlagen. So stößt man beim Spazierengehen (etwas blumiger Begriff für Hürdenlauf durch die Straßen) regelmäßig auf:

Ob diese Pfützen nun für die Schwüle verantwortlich sind, sei dahingestellt. Es gibt ja noch den Nil. Auf folgendem Photo sieht man eine weitere Parallele zu Berlin, neben dem Fluss, der durch die Stadt fließt: Restaurants auf dem Wasser. Hier hat alles etwas größere Dimensionen.

Service

In besagtem Handyshop gab mir ein Mitarbeiter, der langsam Mitleid mit mir bekam, eine Wartenummer in die Hand und schickte mich in einen anderen Raum. Dort wurde ich dann gleich zum Schalter gerufen - unabhängig von der Nummer. Wartenummern als Selbstzweck - ein Hinweis auf die Verwaltungswut der Ägypter? Die Mitarbeiterin war sehr freundlich und verband mein Handy gleich mit dem Netz, nachdem ich meine Nummer aus mehreren auswählen durfte. In Deutschland hätte ich mich mit der CD allein wohl schwer getan, so war’s gleich erledigt.

Wenn man Lebensmittel einkaufen geht, gibt’s einen Heimbringdienst: ins selbe Viertel kostet das 4 Pfund, also 50 Cent. Es haben nur westliche Läden wie die Metro tagsüber offen. Ansonsten frönt man dem Ramadan und öffnet erst später. Manche Straßen sind festlich geschmückt:

Anhand dieses Photos lässt sich auch die Verkehrslage abschätzen. Dies ist eine wenig befahrene Seitenstraße.

Der Bahwab, ein allzeit gegenwärtiger Hausmeister, begrüßt mich beim Verlassen und Betreten des Hauses freundlich. Seine Familie hat Linus neugierig bespielt. Sobald der Kontakt hergestellt ist, fangen die Araberinnen an, zu schnipsen. Das ist hier sicher der ultimative Test, ob das Kind am Leben ist.

Für unseren Müll kassiert der Bahwab doppelt: einmal von uns für die tägliche (!) Abholung, einmal von Müllsortierern, die von und auch im Müll leben. Sie sortieren den Müll und verwenden ihn wieder. Zamalek, unser Gebiet, ist beliebt und teuer. Das Verwertungssystem ist wohl effektiver als unser fragwürdiger Grüner Punkt. Aber es ist beklemmend, zu wissen, dass andere von unserem Müll leben.

Konsumgüter

Bei unserer ersten Bestellung ins Haus habe ich ein Gemüse entdeckt, das eine Nationalspeise in Ägypten ist: Molokheya. Es kommt in Verarbeitung, Farbe und Geschmack unserem Spinat gleich. Es ist aber um eine Eigenschaft reicher: es ist so schleimig, dass beim Abwasch sogar das Spülmittel Fäden zieht. 

A propos gefährliche Substanzen: meine Freude, im Laden Pampers gefunden zu haben, hielt nur bis zum nächsten Wickeln. Sie sind offensichtlich ein fac-sehr-undeutlich-über-den-Daumen-gepeilt-simile und bestehen zu 90% aus Plastik. Das macht schön "knister-knister" bei jeder Bewegung und hält bei den Temperaturen alles schön feucht. Uaaah. Also durfte Linus heute den ganzen Tag schon nackt strampeln. Dabei hat er schon fast alle verfügbaren Handtücher unter Wasser (Euphemismus) gesetzt. Zum Glück habe ich bei der Krabbelgruppe (richtig, ich habe hingefunden!) schon Kontakt zu einer jungen Mutter geknüpft, die mir einen besseren Tipp geben konnte. Das nächste Mal also in die Apotheke zum Windelkauf.

Gebäude

Die ägyptischen Christen sind Kopten. Ich begegne vielen koptischen Kirchen, obwohl nur 10% der Bevölkerung Kopten sind.

Nun habe auch ich es gesehen, das für mich wichtigste Gebäude: unsere zukünftige Wohnung. Eine kleine Vorausschau samt Mann und Kind vom Esszimmer bei Nacht:

Die Wohnung ist ein Traum. Im Moment noch leer, aber das ändert sich bald, inscha’allah! Ich stelle nur Bilder von der bezogenen Wohnung rein, wenn ihr uns dann trotzdem noch besuchen kommt!

 

2 Kommentare

Kommentar von: Philipp Höllermann [Besucher] · http://www.philipp-hoellermann.de
Wow... das ist für uns ja ein extrem spannendes Blog: Für uns beginnt die Reise nach Kairo nämlich im Januar nächsten Jahres wenn Finn gerade 5 Monate alt ist, wir sind also in einer sehr ähnlichen Situation (außer dass wir aus der ehemaligen Bundeshauptstadt kommen, meine Frau dann arbeitet und ich die Elternzeit nehme und auf den Kleinen aufpasse) :). Vielleicht können wir uns dann ja mal austauschen, damit uns die Pseudo-Pampers nicht unterkommen ;-)!
Besten Gruß,
Philipp
15.09.09 @ 11:59
Kommentar von: Chloé [Mitglied] E-Mail
Hallo, ich gebe gern Infos weiter. Bin im Moment auch dankbar, wenn sich uns jemand annimmt mit brauchbaren Tipps... meld dich einfach wenn du eine Frage hast/ es soweit ist. Ansonsten findest du hier ab und zu ein paar Anekdoten :)
15.09.09 @ 13:19

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