Die Wut
Die verzwickteste Situation in einer Beziehung ist, wenn beide wütend aufeinander sind. Im Horrorstreifen „28 days later“ werden die Menschen mit dem Wut-Virus befallen. Es wird eindeutig dokumentiert, dass Wut aus uns willenlose Monster macht, die ohne mit der Wimper zu zucken ihre Lieben in viele Stücke zerteilen. So weit kommt es im wahren Leben zum Glück nicht oft. Aber wer schon einmal richtig wütend war und Dinge getan hat, die sie hinterher bitter bereut hat, weiß, wovon hier die Rede ist. Als Erste-Hilfe-Programm schlage ich also vor: Abstand nehmen und später eine Entschuldigung anbringen.
Es ist für auf Harmonie bedachte Pärchen, die sich sehr nahe sind, schwer, eine Auszeit zu nehmen. Es passt nicht zum Bild, das sie sich von ihrer Beziehung gemacht haben. Oder für die Intellektuellen, die denken, dass sich durch gute Argumente alle Wut und Verletzungen auflösen lassen. Die Erfahrung zeigt: weder Harmoniebedürfnis noch Argumente helfen weiter, wenn es im Innern brodelt.
An dieser Stelle wird es Zeit, Gabi und Klaus vorzustellen. Wir haben die beiden 1991 durch Die Prinzen kennen gelernt. Gabi und Klaus stehen für zwei Liebende. Es könnten auch Dieter und Klaus oder Gabi und Eva sein. Gabi und Klaus zoffen sich also. Sie werden laut dabei, sie argumentieren, sie verstehen sich nicht, sie werden immer verzweifelter. Da denkt Gabi an die Streit-Erste-Hilfe. Sie sagt zu Klaus: „Ich brauche eine Pause“. (Das kommt sicher besser an als „Mit dir ist es ja nicht auszuhalten!“ -Türknallen-)
Diejenige, die zuerst runterkommt von ihrer Wut, macht den ersten Schritt. Sagen wir, Gabi konnte etwas Abstand gewinnen. Sie war nach dem Streit spazieren und hat im Park ein gutes Buch gelesen. Außerdem hat sie sich an Momente erinnert, in denen Klaus sie bezauberte mit seinem Humor, seinem Charme und der kleinen Zahnlücke. So ausgerüstet geht sie zu Klaus. (Wären die beiden christlich verheiratet, würde sie die Traukerze anzünden als Zeichen der Versöhnung.) Klaus sitzt noch traurig, wütend und bockig auf der Couch. Gabi seufzt innerlich. Das wird nicht leicht werden. Klaus wiederholt seine Vorwürfe vom Streit. Jetzt bekommt Gabi ein Problem: sie fand ihr Verhalten trotz allem Mitgefühl Klaus gegenüber richtig und würde es genauso wieder machen. Sie könnte ja sehen, dass sie ihn damit nicht verletzen wollte! Er kennt sie doch, und müsste wissen, dass sie es nicht so meint! Leider fühlt sich Klaus nach wie vor angegriffen, trotz Vertrauen und Nähe, sein Brustkorb fühlt sich eng an, im Körper ist Aufruhr, und er weiß sich nicht anders zu helfen, als anzuklagen. Gabi leidet ein bisschen mit Klaus mit, weil es ihm offensichtlich nicht gut geht.
Schritt zwei: Gabi sagt jetzt einfach mal „Es tut mir leid!“. Sie kann all die Dinge sagen, von denen sie weiß, dass sie Klaus gut tun. Sie weiß ja: ist er wieder versöhnt, wird es für sie auch schön, sie wird als Retterin der Situation dastehen. Aber im Moment muss sie ihm helfen, über seinen Schatten zu springen. Also sagt sie: „Klaus, ich sehe, dass es dir nicht gut geht. Du zitterst sogar ein bisschen. Du fühlst dich sehr angegriffen von mir. Du hattest heute einen anstrengenden Tag, und als ich XY gesagt / getan / unterlassen habe, bist du traurig / wütend geworden, weil dir XX wichtig ist, und du das bedroht sahst. Es tut mir leid, dass das heute alles so gelaufen ist.“ Während Gabi so spricht, wird das Herz von Klaus leichter, der Kopf wird freier. Er fühlt sich verstanden, er sieht wieder die Gabi, die er liebt. Selbst wenn Gabi ihm das nicht sofort ansehen kann: er gewinnt infolge dessen die Kapazitäten zurück, sich ihr wieder zuzuwenden.
Verlassen wir die beiden. Es kann sein, dass die Szene noch lange dauert, weil es Klaus sehr schlecht geht. Oder die beiden müssen sogar die Rollen tauschen, weil die Wut von Gabi noch einmal hoch kommt. Wünschen wir ihnen, dass sie am Ende die Sache geklärt haben und sich in den Armen liegen.
Ich behaupte, ein „Es tut mir leid“ von Gabi muss nicht heißen, dass sie es das nächste Mal anders machen würde. Die Hauptsache ist, dass sie das Problem von Klaus versteht. Denn sie können einander zu nichts zwingen, und sie brauchen es auch nicht. Liebe gibt sich freiwillig hin. Wenn der Wut-Virus nicht dazwischen kommt.
Es ist für auf Harmonie bedachte Pärchen, die sich sehr nahe sind, schwer, eine Auszeit zu nehmen. Es passt nicht zum Bild, das sie sich von ihrer Beziehung gemacht haben. Oder für die Intellektuellen, die denken, dass sich durch gute Argumente alle Wut und Verletzungen auflösen lassen. Die Erfahrung zeigt: weder Harmoniebedürfnis noch Argumente helfen weiter, wenn es im Innern brodelt.
An dieser Stelle wird es Zeit, Gabi und Klaus vorzustellen. Wir haben die beiden 1991 durch Die Prinzen kennen gelernt. Gabi und Klaus stehen für zwei Liebende. Es könnten auch Dieter und Klaus oder Gabi und Eva sein. Gabi und Klaus zoffen sich also. Sie werden laut dabei, sie argumentieren, sie verstehen sich nicht, sie werden immer verzweifelter. Da denkt Gabi an die Streit-Erste-Hilfe. Sie sagt zu Klaus: „Ich brauche eine Pause“. (Das kommt sicher besser an als „Mit dir ist es ja nicht auszuhalten!“ -Türknallen-)
Diejenige, die zuerst runterkommt von ihrer Wut, macht den ersten Schritt. Sagen wir, Gabi konnte etwas Abstand gewinnen. Sie war nach dem Streit spazieren und hat im Park ein gutes Buch gelesen. Außerdem hat sie sich an Momente erinnert, in denen Klaus sie bezauberte mit seinem Humor, seinem Charme und der kleinen Zahnlücke. So ausgerüstet geht sie zu Klaus. (Wären die beiden christlich verheiratet, würde sie die Traukerze anzünden als Zeichen der Versöhnung.) Klaus sitzt noch traurig, wütend und bockig auf der Couch. Gabi seufzt innerlich. Das wird nicht leicht werden. Klaus wiederholt seine Vorwürfe vom Streit. Jetzt bekommt Gabi ein Problem: sie fand ihr Verhalten trotz allem Mitgefühl Klaus gegenüber richtig und würde es genauso wieder machen. Sie könnte ja sehen, dass sie ihn damit nicht verletzen wollte! Er kennt sie doch, und müsste wissen, dass sie es nicht so meint! Leider fühlt sich Klaus nach wie vor angegriffen, trotz Vertrauen und Nähe, sein Brustkorb fühlt sich eng an, im Körper ist Aufruhr, und er weiß sich nicht anders zu helfen, als anzuklagen. Gabi leidet ein bisschen mit Klaus mit, weil es ihm offensichtlich nicht gut geht.
Schritt zwei: Gabi sagt jetzt einfach mal „Es tut mir leid!“. Sie kann all die Dinge sagen, von denen sie weiß, dass sie Klaus gut tun. Sie weiß ja: ist er wieder versöhnt, wird es für sie auch schön, sie wird als Retterin der Situation dastehen. Aber im Moment muss sie ihm helfen, über seinen Schatten zu springen. Also sagt sie: „Klaus, ich sehe, dass es dir nicht gut geht. Du zitterst sogar ein bisschen. Du fühlst dich sehr angegriffen von mir. Du hattest heute einen anstrengenden Tag, und als ich XY gesagt / getan / unterlassen habe, bist du traurig / wütend geworden, weil dir XX wichtig ist, und du das bedroht sahst. Es tut mir leid, dass das heute alles so gelaufen ist.“ Während Gabi so spricht, wird das Herz von Klaus leichter, der Kopf wird freier. Er fühlt sich verstanden, er sieht wieder die Gabi, die er liebt. Selbst wenn Gabi ihm das nicht sofort ansehen kann: er gewinnt infolge dessen die Kapazitäten zurück, sich ihr wieder zuzuwenden.
Verlassen wir die beiden. Es kann sein, dass die Szene noch lange dauert, weil es Klaus sehr schlecht geht. Oder die beiden müssen sogar die Rollen tauschen, weil die Wut von Gabi noch einmal hoch kommt. Wünschen wir ihnen, dass sie am Ende die Sache geklärt haben und sich in den Armen liegen.
Ich behaupte, ein „Es tut mir leid“ von Gabi muss nicht heißen, dass sie es das nächste Mal anders machen würde. Die Hauptsache ist, dass sie das Problem von Klaus versteht. Denn sie können einander zu nichts zwingen, und sie brauchen es auch nicht. Liebe gibt sich freiwillig hin. Wenn der Wut-Virus nicht dazwischen kommt.