Das große Sehnen
Als Single war ich immer in einem sehnsuchtsvollen Zustand. Kam ich in einem Raum, konnte ich sofort sagen, welcher Mann mich interessiert. Auf jeder Party war die Hoffnung mit zu Gast, dass doch mehr werden möge aus einer kleinen Plauderei. Auf mindestens zwei Single-Börsen im Internet war ich immer angemeldet. Und wenn es nichts wurde mit dem Zauber des Verliebt-Seins auf den ersten Blick, dann nahm ich den nächstbesten Flirt, um ein bisschen körperliche Nähe zu spüren, ein bisschen Bewunderung und Bestätigung als Frau. Ich war mir klar darüber, dass es sehr wichtig ist für einen jungen Menschen, auch mal eine Zeit allein sein zu können, als Single. Ich habe auch alleine gewohnt und war eine Zeit lang Single. Es ging mir nicht gut dabei. Ich konnte meine Sehnsucht einfach nicht abstellen.
Mit meinem offenen Wesen und einer positiven Ausstrahlung hatte ich keine Probleme, Kontakte zu knüpfen, die schnell tiefer gingen. Es war für mich immer Liebe und die Hoffnung auf eine tiefere Verbindung mit im Spiel. Klar, ich war naiv, aber aus irgendeinem Grund schreckte ich selten davor zurück, mich innerlich voll und ganz auf meinen Angebeteten einzulassen, und sprachen noch so viele Gründe dagegen. Eine kleine Auswahl:
- ein Badischer Metzgergeselle, als ich Vegetarierin war
- ein halbitalienischer Kfz-Mechaniker und Leistungssport-Bodybuilder, während ich Wissenschaftstheorie an der Uni büffelte
- ein Kroate ohne Aufenthaltsgenehmigung, der mich bald heiraten wollte
- ein Muslim aus Syrien, wo meine Kinder doch getauft werden sollten
- zu guter Letzt ein Berliner Polizist, der mit dem Gedanken liebäugelte, sich ein Wehrmachtskreuz auf den Oberarm tätowieren zu lassen.
Irgendwann wich dem Verliebtheitsgefühl dann eine innere Beklemmung, und verschiedene Szenen erhärteten den Verdacht, dass er doch nicht der richtige sei. Anfangs machte ich das mit mir alleine aus, und am Ende knallte ich ihm den Schlussstrich einfach so hin. Später bezog ich die Herren in meine Überlegungen mit ein, stiftete aber damit mehr Verwirrung als Klarheit. Und wie schmerzhaft, wie schrecklich jeder Abschied war! Jeder einzelne der Jungs und Männer hat einen Platz in meinem Herzen – ich habe sie geliebt, bete für sie, und ab und zu träume ich von ihnen. Andererseits – nachdem Schluss war, fühlte ich mich unglaublich befreit und lebendig.
Nach 10 Jahren Beziehungen, einige dauerten mehrere Jahre, fragte ich mich, ob das nun ewig so weitergehen wird. Sich kennen lernen, seine Geschichte von vorne erzählen, sich gegenseitig abtasten und herausfinden, ob man dem anderen verzeihen kann, dass er so ist, wie er ist. Ein Schema erkannte ich nicht: Bildungsschicht, Herkunft, Religion, Alter, Statur, lauter oder leiser Charakter, es war von allem etwas dabei gewesen. Und immer noch rief meine Hand nach einer anderen, und mein Kopf wollte auf einer Brust zur Ruhe kommen.
Ausnahmsweise gibt es heute mal keine Moral von der Geschicht’. Vielleicht gibt es ja Singles, die sich schämen, weil sie sich so sehr sehnen. Oder die befürchten, dass der oder die Richtige niemals kommen wird. Ich sehne mich sehr und bin sehr bedürftig. Ich glaube fest daran, dass solch ein menschliches Sehnen nicht unbeantwortet bleibt. Es hat einen Ursprung und ein Ziel, und beides geht weit über die menschliche Vernunft hinaus.
Mit meinem offenen Wesen und einer positiven Ausstrahlung hatte ich keine Probleme, Kontakte zu knüpfen, die schnell tiefer gingen. Es war für mich immer Liebe und die Hoffnung auf eine tiefere Verbindung mit im Spiel. Klar, ich war naiv, aber aus irgendeinem Grund schreckte ich selten davor zurück, mich innerlich voll und ganz auf meinen Angebeteten einzulassen, und sprachen noch so viele Gründe dagegen. Eine kleine Auswahl:
- ein Badischer Metzgergeselle, als ich Vegetarierin war
- ein halbitalienischer Kfz-Mechaniker und Leistungssport-Bodybuilder, während ich Wissenschaftstheorie an der Uni büffelte
- ein Kroate ohne Aufenthaltsgenehmigung, der mich bald heiraten wollte
- ein Muslim aus Syrien, wo meine Kinder doch getauft werden sollten
- zu guter Letzt ein Berliner Polizist, der mit dem Gedanken liebäugelte, sich ein Wehrmachtskreuz auf den Oberarm tätowieren zu lassen.
Irgendwann wich dem Verliebtheitsgefühl dann eine innere Beklemmung, und verschiedene Szenen erhärteten den Verdacht, dass er doch nicht der richtige sei. Anfangs machte ich das mit mir alleine aus, und am Ende knallte ich ihm den Schlussstrich einfach so hin. Später bezog ich die Herren in meine Überlegungen mit ein, stiftete aber damit mehr Verwirrung als Klarheit. Und wie schmerzhaft, wie schrecklich jeder Abschied war! Jeder einzelne der Jungs und Männer hat einen Platz in meinem Herzen – ich habe sie geliebt, bete für sie, und ab und zu träume ich von ihnen. Andererseits – nachdem Schluss war, fühlte ich mich unglaublich befreit und lebendig.
Nach 10 Jahren Beziehungen, einige dauerten mehrere Jahre, fragte ich mich, ob das nun ewig so weitergehen wird. Sich kennen lernen, seine Geschichte von vorne erzählen, sich gegenseitig abtasten und herausfinden, ob man dem anderen verzeihen kann, dass er so ist, wie er ist. Ein Schema erkannte ich nicht: Bildungsschicht, Herkunft, Religion, Alter, Statur, lauter oder leiser Charakter, es war von allem etwas dabei gewesen. Und immer noch rief meine Hand nach einer anderen, und mein Kopf wollte auf einer Brust zur Ruhe kommen.
Ausnahmsweise gibt es heute mal keine Moral von der Geschicht’. Vielleicht gibt es ja Singles, die sich schämen, weil sie sich so sehr sehnen. Oder die befürchten, dass der oder die Richtige niemals kommen wird. Ich sehne mich sehr und bin sehr bedürftig. Ich glaube fest daran, dass solch ein menschliches Sehnen nicht unbeantwortet bleibt. Es hat einen Ursprung und ein Ziel, und beides geht weit über die menschliche Vernunft hinaus.