Antwort auf die Frage nach dem Kinderwunsch

Au ja! Viele!

(Vorher)

 

 

Ja, nochmal. Bald.

(Nach dem ersten) 

 

 

Sautraurig.

Aber passiert.

(Nach Fehlgeburt)

 

 

Schon wieder alles anders!

(Nach dem Zweiten)

 

 

 

Ach wie süß!

Gibt aber auch andere Momente. 

(Beim Anblick eines Babys) 

An mein Kind

Jesper Juul hat recht: als ich dich zum ersten Mal gesehen habe, ging wie eine Sonne der Wunsch in mir auf, dich zu lieben und zu beschützen bis an mein Lebensende. Dort strahlt sie und behält ihre Stärke. Ob du deine Würde als kleiner Mensch behalten darfst, ob du dich geborgen fühlst in dieser Welt, ob du dich traust, du selbst zu sein und ob du herausfinden kannst, wer du wirklich bist: es liegt in meiner Hand.

Du bist jetzt kein hilfloser Säugling mehr, du wirst ein eigenständiger Mensch und möchtest alles selbst ausprobieren. 

Wenn du auf dem Weg zum Kindergarten vor mir her hüpfst, mit den Armen ruderst und singst; wenn du spontan zu mir her kommst, mir über den Kopf streichelst und mir einen Kuss gibst; wenn du mir stolz zeigst, dass du deine Schuhe allein angezogen hast, dann hoffe und glaube ich, dass du glücklich bist bei mir.

Du bist ein wunderbarer Mensch, und es ist ein Wunder, dich in meiner Familie zu haben. Ein Segen des Himmels. 

An alle Eltern: denkt nicht, ihr müsstet die Kindererziehung hinter euch bringen. Denkt nicht, dass ihr eurer besten Jahre beraubt werdet. Denkt nicht, dass euer Leben zuende ist: es fängt jetzt erst an.

… und wer mir nicht glaubt, der geht zum nächsten Buchladen oder auf amazon und kauft ein Buch des genannten Autors. 

Lasset die Kinder... hungern, denn sie stören

Dass ich mein Baby stillen kann, war mehr Zufall. Zufall, weil ich einfach davon ausgegangen bin, dass das halt so funktioniert. Wie man das dann macht, im Alltag, hat mir keiner gesagt. In unserem Alltag, wo Kinder bekommen bedeutet, herausgerissen zu werden aus seiner Erwerbstätigkeit, denn die geht nur ohne Säugling; aus seinem Freundeskreis, denn ständig über Kinder zu reden ist für Kinderlose langweilig; aus seinem Alltag, denn mit Kind ist nichts wie vorher.

Inzwischen weiß ich, wie sehr ich Glück hatte, wie wenig Stillen selbstverständlich ist. Nach einem Kaiserschnitt kommt die Milch manchmal nicht in Gang. Mein Baby verlor an Gewicht, nach der Geburt natürlich, aber auch zwei Wochen später. Dennoch hat es mit dem Stillen gut geklappt. Weil mir erfahrene Hebammen zur Seite standen, und weil es für mich selbstverständlich war, mein Kind an die Brust zu legen.

In Deutschland gibt es diese Selbstverständlichkeit nicht. Im KaDeWe zum Beispiel. Da waren wir neulich einen großen Einkauf machen - wir sind gute Kundinnen. In der Porzellanabteilung fragte ich, ob ich stillen dürfe, auf einer Couch in einem leeren Seitengang. Ich durfte nicht. Es werde nicht gerne gesehen. Ich wurde in den 3. Stock geschickt, in die Kinderabteilung. Doch oh Wunder, auch hier kann man Stillende nicht gebrauchen. Ich solle in den 6. oder 7. Stock gehen. Nun, mit Kinderwagen kommt man ohne Aufzug nicht weit, und der fährt nicht in den 7. Stock. Also mit inzwischen brüllendem Kind ab in den 6. Stock, vorbei an der riesigen, stinkenden Fischabteilung und mitten durch die Menschenmenge zum einzigen Stuhl. Womit werden die Kunden von morgen großgezogen und wo? Mit Muttermilch, mitten in unserer Gesellschaft. Sollte man meinen. In Wirklichkeit müssen Mütter schwitzen wenn ihre Babys schreien. Sie schämen sich, in der Öffentlichkeit zu stillen, weil sie verächtliche Blicke ernten. An alle Stillmamas: bitte nie fragen, ob man darf, sondern machen!! Angesprochen, das Stillen störe, wurde ich persönlich (bisher) weder in Deutschland noch in Ägypten.

Ich stille in der Öffentlichkeit, in Deutschland wie in Ägypten. Ich mache es diskret, aber nicht auf der Toilette. Dass das Stillen klappt, dass Mutter und Kind ein gutes Stillpaar werden, ist nicht selbstverständlich. Es ist ein großes Glück, wenn es so ist. Dass Babys ihren Hunger stillen dürfen, wann sie es brauchen, ist ihr gutes Recht. Aber leider keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem Menschen sich von trinkenden Säuglingen belästigt fühlen. Damit meine ich Deutschland.
 
Im Internet trifft man auf Behauptungen, die muslimische Religion verbiete Stillen in der Öffentlichkeit. Da kann man drüber diskutieren. Als Diskussionsgrundlage empfiehlt sich die Lektüre des Koran. Sura 2: Vers 233 „Und Mütter sollen ihre Kinder zwei volle Jahre säugen…“ 
 
 

 

Mein Baby

Mein Baby lacht seit einiger Zeit ganz oft, jetzt ist es 11 Wochen alt. Wie hab ich das die ersten Wochen nur ohne dieses Lachen ausgehalten? Es dreht dann den Kopf und quietscht und strampelt mit Armen und Beinen. Es freut sich besonders, wenn es über den Kopf eines Erwachsenen gehoben wird. Getragen wird es am liebsten im Fliegergriff. Da wird der tragende Arm dann seit Neuestem gern unter Wasser gesetzt. Aber spucken tut mein Baby nie. Schön, denn einen starken Magen wird es in Kairo brauchen!

Mein Baby ist sehr gesprächig. Lieblingstöne sind "üüüüh" "iiiih-ouuuuuuh" oder auch mal "iröööö" oder "ouuu-jeaaaah". Zum Beispiel auf dem Wickeltisch fängt es gern Gespräche an. Der Wickeltisch ist in seinen Augen von der Folterhölle zum Lieblingsplatz avanciert. Selbst wenn sonst nur Geplärr ist, auf dem Wickeltisch wird gelacht.

Andere Kinder und Menschen sind total interessant. Die guckt mein Baby gerne an und hört ihnen zu. Das gilt auch für die zwei im Spiegel.

Beim Stillen macht es ganz große Augen, und beim Nuckeln im Allgemeinen (Eigene und fremde Finger und Kuschelbär bevorzugt) ballt es die Fäustchen neben den Wangen. Was heißt Fäustchen- Hände und Füße sind ganz schön groß für sein Alter!

Was mein Baby nicht mag: Niesen von anderen, weil es da erschrickt. Selbst niesen ist okay, gerne zwei Mal hintereinander. Baden dagegen ist schlimm, und im Gesicht gewaschen werden. Und Anziehsachen über den Kopf gezogen bekommen. Massiert werden mag es auch nicht so doll. Eine volle Windel dagegen trübt die Stimmung nicht. Und den täglichen Schluckauf sind wir zwei schon aus dem Bauch gewöhnt, der stört nicht mehr.

Einschlafen tut mein Baby am Liebsten nah am Körper, während man rumläuft oder Walzer tanzt und dazu singt. Abends tut viel Nuckeln gut. Ich frage mich, warum wir nicht alle nikotinabhängig oder übergewichtig sind. Wenn wir schon als Baby Nuckeln als Haupthobby brauchen.

Was mein Baby schon hat: Käsefüße. Ein Sinnbild für die Unschuld, die auch Kinder schon verloren haben. Zumindest was Hygiene angeht. Hygiene, Sonstiges: Babys Haare werden NIE fettig. Aber Nasen- und Ohrpopel wie die Großen. Auch was Rülpsen (zu bayerisch: "A Koperl machen") und Pupsen angeht, steht mein Baby uns in nichts nach. Dafür duftet es ganz herrlich, besonders am Kopf. Außer wenn mein Mann es mit After-Shave übertrieben und das Baby dann geküsst hat.

Ansonsten gilt: mein Baby ist immer in Bewegung. Und wenn es nicht strampelt, bringt es uns dazu, es zu tragen.

Ich würd mein Baby gegen kein anderes Kind oder sonstiges Gold auf der Welt eintauschen. Mein Baby gehört zu mir.

 

Wahnsinnige Mutterliebe

Wenn ich mein Kindchen angucke, überkommt mich manchmal ein Riesendrang, es zu beschützen gegen alle Gefahren. Dieses Gefühl ist fast übermächtig. Denn ich weiß, dass ich es nicht kann.

Aber dann rettet mich ein Gedanke: Mutterliebe ist nicht absolut. Es ist ein Gefühl, aber ich bin ihm nicht ausgeliefert. Ziel dieses Dranges ist nicht, das Kind von allen Gefahren fernzuhalten. Sondern, dass ich als Mutter darauf bedacht bin, das Kleine gut zu versorgen, damit es hinaus in die Welt kann. Dabei darf ich darauf vertrauen, dass Gott seine liebende Hand über ihm hält. Und das Kleine richtig zu versorgen: da kann ich immer aufs Neue, täglich, konkret anfangen. Den Schnuller regelmäßig sterilisieren, Geduld üben wenn es schreit, einen regelmäßigen Tagesrhythmus geben mit Ritualen etc.

Das Drama fühlen und daran fast zu verzweifeln fand ich schon immer verlockend. Die pragmatische Seite aber richtet die Sinne auf das Hier und Jetzt aus und macht das Mutterherz wieder leicht.
 
 

Mutterglück

Wenn ich dich ansehe, mein Kind,                     
in diesen ersten Tagen des Kennenlernens,
empfinde ich so tief
wie es irgend möglich ist.

Das Gefühl, dich zu lieben
Geht durch Mark und Bein.

Das Gefühl, dich beschützen zu wollen
Durchzieht mein ganzes Sein.

Das Glück, deinen Atem zu spüren und deinen Duft einzuatmen,
war nie zuvor da, schnürt mir die Kehle zu und lässt mich erschüttern.

Wenn du an meiner Brust trinkst, hastig,
schlürfend, schnaubend, schmatzend, dich verschluckend,

und du zu mir hoch schaust, mit deinen riesengroßen blauen Augen,
beide Fäustchen geballt an deinen Wangen liegend,

bleibt kein Zweifel daran:
die brutale Geburt war jede Sekunde wert, denn sie schenkt uns Jahre mit dir.
 
Kein Taschentuch vermag meinen Tränenfluss zu trocknen.
Ich weine,

um unser unfassbares Glück mit dir besser ertragen zu können,
um die Grausamkeit von künstlich erzeugten Presswehen und dem Bauchaufschlitzen zu verarbeiten,
um mein altes Ich zu verabschieden, das noch nicht mit dir verbunden war,
weil ich dich irgendwann wieder gehen lassen muss.

Gewaltvoll werde ich zur Mutter.
 

Beckenendlage

Mein Kleines wohnt jetzt schon seit über 35 Wochen in meinem Bauch. Wenn es sich streckt, spüre ich das links unten, rechts unten und nach wie vor unter den Rippen - oder auch mal über den Rippen (wie das geht? Keine Ahnung). Das Riesenei unter den Rippen ist das Köpfchen. Damit liegt das Kind in der Beckenendlage (=BEL).

Ich finde das eigentlich ganz niedlich. Die Geburtshelferinnen macht es  allerdings langsam nervös: sie kennen sich nur mit einer natürlichen Geburt (=ohne Kaiserschnitt) aus, wenn das Köpchen nach unten liegt (=Schädellage). Zum Glück wohne ich in einer wunderbaren Stadt, die viel berufliche Kompetenz beherbergt, und so weiß ich, dass eine Klinik wenigstens versuchen wird, uns zu einer Geburt zu verhelfen, bei der das Kind die Wehen auslöst und meinen Körper durch das Becken hindurch verlässt.

Die BEL ist nur ein kleines Detail von schier unendlichen Stellgrößen im ganzen Wachstumsprozess eines Babys im Bauch. Ich kann allen jungen Menschen oder werdenden Eltern nur empfehlen, sich bei netten Hebammen einzurichten und beim diagnostischen Murmeln der Ärztin höchstens mit halbem Ohr zuzuhören.

Die Moral? Hm… DANKE BERLIN für Ärztinnen, die ihre Kompetenzen ausbauen in Bereichen der Geburtshilfe, die weniger lukrativ sind, aber Frauen zu einer eingriffsarmen und damit selbstbestimmteren Geburt verhelfen. 

Eine kleine Prognose zum Schluss: Hebammen werden mehr zu tun bekommen, weil Ärztinnen keine Zeit für gesunde Schwangere haben. Werdende Mütter brauchen aber persönlichen Beistand von Frauen, die sich mit Schwangerschaft auskennen und mit anpacken. Früher waren das die Mütter, Tanten und Omas, heute in Zeiten von Kleinfamilie und Alleinerziehenden muss es Alternativen geben.

Der Po anderer Menschen im Revier der sechs Sinne

1. Gucken
Dem anderen Geschlecht schaut man gerne mal auf den Po. Er kann fürs Schauen auch schön in Szene gesetzt werden durch enge Hosen. Viele afrikanische Frauen haben einen tollen Apfelpo! Manche Evolutionsforscher sagen, die Brüste ahmen nur den Po nach, um die Aufmerksamkeit von Männern zu erregen. Bart Simpson erregt, so wie viele andere, die Aufmerksamkeit der Menschen durchs provokante nackte-Hintern-Zeigen.

2. Hören
Hören kann man den Po auch, das ist dann weniger schön. Man hat leider wegen Tabuisierung noch keinen gangbaren Weg gefunden, damit umzugehen. Darf man an frischer Luft? Bis zur nächsten Toilette kann viel Zeit vergehen! Manchmal ein Gradmesser, ob es einem in einer Beziehung zu gemütlich geworden ist. Wer allein ist oder schläft, dem sind diese Überlegungen wurscht.

3. Riechen
Die Toilettenhygiene ist ein hochinteressantes, tief in der Kulturgeschichte verankertes Thema. An manchen Orten, z.B. in Ägypten, gibt es Bidets, fließendes Wasser für den Po, und man gibt sich nur die rechte Hand, weil die linke für den Po reserviert ist. In Deutschland sind Tücher üblich, trockende und feuchte. In Gefahr, einen Po direkt zu riechen, kommen sowieso nur diesbezüglich mutige Pärchen, die es, zumindest in der heterosexuellen Welt, eher selten gibt.
 
4. Schmecken
Abgesehen von etwas Sahne mit Honig, die man zusätzlich beim Liebesspiel auf den Po applizieren kann, geht dieses Thema über die gesetzten Grenzen des Blogs hinaus und sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

5. Absichtlich Berühren
Eine der tollsten Kuschelpositionen ist Schoß-an-Po.
Eine der unbeliebtesten Gesten, wenn man nicht sehr vertraut miteinander ist: das Tatschen auf den Po.

Zufällig Berühren
Männliche und weibliche Muslime beten in Moscheen getrennt voneinander, denn es kommt nicht selten vor, dass man beim Senken des Oberkörpers mit dem Kopf an den Po der Vorderfrau stößt.

Tasten
Gerade einen prallen Po mag man gerne streicheln und drücken, auch wenn ein nackter Erwachsenenpo etwas rauh, haarig oder pickelig sein kann. Deshalb ist der Klassiker der streichelzarten Haut der Babypopo.

6. Erspüren
Und da hätten wir auch schon den Übergang zu einer sinnlichen Erfahrung, die nicht allen Menschen zuteil wird, mir in im Moment mehrmals täglich: ein faustgroßer Popo schiebt sich rechts knapp unterhalb meiner Rippen von innen heraus und bildet dort eine Riesenbeule, die genau in meine Handfläche passt. Einerseits eine Unverschämtheit! Wie so Vieles im Zusammenhang mit dem Po. Andererseits ein Gruß wie aus einer anderen, zauberhaften Welt, in der das  zarte Erspüren und Erfühlen Anfang und Ende sind.

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