Liebe Leserinnen,
heute gibt es einen Spezialeintrag jenseits der Fotoalben-Romantik. Eigentlich gar nicht passend zu Weihnachten. Andererseits: brauchen die Traurigen Weihnachten oder die Fröhlichen?
Neulich fand mein allererstes gesetztes Essen statt. Nur zwei Kleinigkeiten von dort, im Prinzip völlig unpolitisch und nicht brisant: zu meiner großen Überraschung gab es kein Tischherr für mich, der darauf geachtet hätte, wann ich meine Serviette auf den Tisch lege, so dass er aufspringen und mir den Stuhl zurechtrücken könnte. Gut so! Zweitens: Es waren ägyptische Jounalisten anwesend, deren These "Jede unter 30 bloggt" ich unterstreichen konnte. Ich war dann auf jede Menge misstrauischer Fragen eingerichtet, sowohl von Botschafts- als auch von Einheimischer Seite, aber die kamen nicht. Es wird gebloggt, ganz normal, Friede, Freude, Eierkuchen. Nur eine erfahrene deutsche Dame, die anmerkte, auf arabisch solle man besser nicht bloggen.
Zweites Thema. Normalerweise berichte ich alles Lustige und Wissenswerte, aber heute berichte ich einmal den meist verschwiegenen Teil: ja, es kann verdammt hart sein im Ausland. Gestern habe ich den Weg nicht zur evangelischen Gemeinde in die Adventsandacht gefunden (in dem Fall gleichbedeutend mit Heimat). Oder besser gesagt, als ich da war, erfuhr ich, dass ich woanders hätte hin müssen. Und das nach 1h wickeln, füttern, schön anziehen und in die Trage packen sowie eine knappe Stunde mit dem Weg und dem Taxifahrer kämpfen. Und das nach einer Adventszeit ohne einen einzigen Gottesdienst bisher. Nach einem Tag voller Wohnung schönmachen, und zwar allein. Ich habe mich nach Zamalek zurück kutschieren lassen. Der Fahrer lässt mich erst aussteigen, nachdem ich den doppelten Preis gezahlt habe. Ich stehe auf der Straße, unschlüssig, ob ich für die restlichen 10 Minten noch zur Andacht laufen soll. Hupen überall. Alle Menschen gucken. Linus zappelt unruhig in der Trage. Stephan noch auf Arbeit. Die Luft ist stickig.
Schon klar, solche Situationen kennt jeder. Trotzdem: neu sein, sich noch nicht auskennen, und einen Säugling an der Backe haben lauten hier die unvermeidlichen Stellgrößen. Und in solchen Momenten sind die gestellten Aufgaben zu groß. (Wer hat’s verstanden? Stellen? Größe?)
Über Weihnachten waren wir gnädig zu uns und haben uns ein Flugticket heim erlaubt, Gott sei Dank und Ehre! Wir werden unsere Familien treffen und unseren Kleinen taufen lassen. Ich wünsche allen Leserinnen besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!