Out of Kairo - back in Kairo

Wir haben das koptische Kloster Anafora besucht. Dabei waren wir auch im Gottesdienst und lauschten koptischen Gebeten und Gesängen. Linus hat ein wenig mitgesungen, das macht er öfter mal.

Auf Papas Rücken:

 

Mama vor Orangenbäumen:

 

 

Linus unter Palmen:
 
 
Zurück in Kairo gingen die Essexperimente, von denen schon die Rede war, weiter. Scheich Linus "genießt" ein Stück Tomate:
 
 
Wir sind nach wie vor oft auf dem Spielplatz. Hier sind es meist 20 Grad. Die Schaukel ist inzwischen der Renner, da kommt Freude auf: Anschubsen, Mama!
 
 
Die Spielsachen (der anderen!) werden großzügig verteilt:
 
 
… und dann noch schnell ins Kindergeschäft um zu gucken ob die Strumpfhosen haben: häh?! 
 

 

Regen in Kairo

Wow da war ja mal gar kein Feedback auf meine Frage. Und auch ich habe keine weiteren Ideen. Also schreibe ich weiter, ohne großes Konzept.

Neulich hat es hier geregnet. Ein paar Tropfen habe ich schon einmal erlebt, aber diesmal war es bestimmt eine halbe Stunde Regen, teilweise stark. Die Ägyter und Ägypterinnen auf der Straße standen staunend in den überdachten Ladeneingängen. Es war Zeit für meine Morgenrunde, also suchte ich einen Regenschirm und ging aus dem Haus. Unser Bawwab rief: "Nein, nein, Madame, tun sie das nicht!!!" (auf arabisch bzw. mit Zeichensprache), aber ich sagte, ich sei Deutsche (auf arabisch!!!) und spazierte lachend in den Regen. Ich fühlte mich auf einmal wie daheim. Die Luft war klar und ich konnte mich ganz im Umgehen der Pfützen verlieren. Eine typisch deutsche Fähigkeit! Dazu braucht es nämlich Regen und die Lust am Spazierengehen, beides keine ägyptischen Eigenschaften. Dafür die Rücksichtnahme der Autos: die Taxis witterten wie immer fette Beute, aber alle Autos fuhren ganz sanft an mir vorbei, um mich nicht nasszuspritzen. Im Café machte dann mein tropfender Regenschirm die Bedienung ganz nervös.

Das habe ich Kairo zu verdanken: dass ich mich aus tiefstem Herzen über den Regen freue und mich mit ihm auf eine fast schon verschwörerische Art verbunden fühle. Und gleichzeitig bin ich sehr dankbar, dass ich hier nie einen Plan B entwerfen muss, wenn ich meinen Tag draußen verbringen will. Sonnenschein oder zumindest kein Regen sind hier das ganze Jahr über an der Tagesordnung.

Umstruktur

Liebe Leserinnen und Leser,

das Blog war ja ein Jahr lang eher anonym, mit allgemeinen Gedanken zu privaten Themen. Seit unserem Umzug von Berlin nach Kairo poste ich viele Bilder und Berichte, vor allem über Linus und unser Leben in Kairo. So langsam bin ich nicht mehr überrascht über die Dinge, die mir hier passieren, und ihr solltet euch langsam sicher sein, dass es uns hier gut geht. Deshalb habe ich überlegt, zu meinem alten Modus zurückzugehen, wenig Bilder und kurze Texte über Beziehung, Baby im Allgemeinen und vielleicht dann auch allgemeine Betrachtungen eines Ex-Pats (nicht mehr im Heimatland lebend). Also private Gedanken zu allgemeinen Themen zum Besten zu geben.

Aber: ihr sollt dazu etwas zu sagen haben. Bitte schreibt doch eure Meinung, ob es lieber jede Menge Photos sein sollen und Erlebnisberichte, oder die ältere Liebesoffensive.

Bis bald! 

Neues vom Spielplatz

Linus krabbelt jetzt. Und damit macht es offiziell Sinn, auf den Spielplatz zu gehen. Vor allem wegen dem leckeren Sand! Dabei lernen wir eine Menge afrikanischer und phillipinischer Kindermädchen kennen, aber auch Ägypterinnen. Die meisten Kinder haben Angst vor ihm. Selbst wenn er nur ungefähr in ihre Richtung krabbelt, rufen sie: "Hilfe, das Baby isst meinen Schuh/klaut mein Fahrrad!" Bemerkenswert: sie rufen auf Englisch, sobald sie sprechen können. Zumindest wenn Linus, das "Baby ohne Haare", offensichtlich mit westlicher Mama, sich nähert. Das ist hier so, weil im Gesira Club, in dem sich der Spielplatz befindet, nur reiche Ägypterinnen sind, die ihre Kinder auf Privatschulen und -kindergärten schicken. Und dort werden von Anfang an Fremdsprachen gelehrt. Manche Kinder sind auch lieb und teilen Eimerchen und Schippe mit ihm.

Weitere Neuigkeiten:

- Linus ist getauft! Es war ein sehr schönes Fest in Bayern.

- Die zwei unteren Schneidzähne sind sichtbar! Damit geht Gurke knabbern noch effektiver.

- Linus ist jetzt bei uns am Tisch mit. Pasta mit Gemüsesauce, Dinkelstangen mit Avocado, Erdbeeren etc.

Bloggen, Enttäuschungen und Weihnachten

Liebe Leserinnen,

heute gibt es einen Spezialeintrag jenseits der Fotoalben-Romantik. Eigentlich gar nicht passend zu Weihnachten. Andererseits: brauchen die Traurigen Weihnachten oder die Fröhlichen?

Neulich fand mein allererstes gesetztes Essen statt. Nur zwei Kleinigkeiten von dort, im Prinzip völlig unpolitisch und nicht brisant: zu meiner großen Überraschung gab es kein Tischherr für mich, der darauf geachtet hätte, wann ich meine Serviette auf den Tisch lege, so dass er aufspringen und mir den Stuhl zurechtrücken könnte. Gut so! Zweitens: Es waren ägyptische Jounalisten anwesend, deren These "Jede unter 30 bloggt" ich unterstreichen konnte. Ich war dann auf jede Menge misstrauischer Fragen eingerichtet, sowohl von Botschafts- als auch von Einheimischer Seite, aber die kamen nicht. Es wird gebloggt, ganz normal, Friede, Freude, Eierkuchen. Nur eine erfahrene deutsche Dame, die anmerkte, auf arabisch solle man besser nicht bloggen.

Zweites Thema. Normalerweise berichte ich alles Lustige und Wissenswerte, aber heute berichte ich einmal den meist verschwiegenen Teil: ja, es kann verdammt hart sein im Ausland. Gestern habe ich den Weg nicht zur evangelischen Gemeinde in die Adventsandacht gefunden (in dem Fall gleichbedeutend mit Heimat). Oder besser gesagt, als ich da war, erfuhr ich, dass ich woanders hätte hin müssen. Und das nach 1h wickeln, füttern, schön anziehen und in die Trage packen sowie eine knappe Stunde mit dem Weg und dem Taxifahrer kämpfen. Und das nach einer Adventszeit ohne einen einzigen Gottesdienst bisher. Nach einem Tag voller Wohnung schönmachen, und zwar allein. Ich habe mich nach Zamalek zurück kutschieren lassen. Der Fahrer lässt mich erst aussteigen, nachdem ich den doppelten Preis gezahlt habe. Ich stehe auf der Straße, unschlüssig, ob ich für die restlichen 10 Minten noch zur Andacht laufen soll. Hupen überall. Alle Menschen gucken. Linus zappelt unruhig in der Trage. Stephan noch auf Arbeit. Die Luft ist stickig.

Schon klar, solche Situationen kennt jeder. Trotzdem: neu sein, sich noch nicht auskennen, und einen Säugling an der Backe haben lauten hier die unvermeidlichen Stellgrößen. Und in solchen Momenten sind die gestellten Aufgaben zu groß. (Wer hat’s verstanden? Stellen? Größe?)

Über Weihnachten waren wir gnädig zu uns und haben uns ein Flugticket heim erlaubt, Gott sei Dank und Ehre! Wir werden unsere Familien treffen und unseren Kleinen taufen lassen. Ich wünsche allen Leserinnen besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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